Hisham Matar: Geschichte eines Verschwindens

Ägypten ist in den letzten Monaten in aller Munde. Ein Grund mehr, sich mit literarischen Werken über das Land am Nil zu beschäftigen.

Quasi druckfrisch fiel mir Hisham Matars jüngster Roman "Geschichte eines Verschwindens" in die Hand. Die Hauptfigur des Romans ist Nuri el-Alfi. Matar begleitet ihn von der Kindheit bis zum Schulabschluss in den 60iger und 70iger Jahren.

Nurus geliebte Mutter stirbt früh und hinterlässt dem Kind das Rätsel um ihren Tod und einen kühlen, ständig abwesend wirkenden Vater Kamal. Während eines Urlaubes treffen Vater und Sohn die junge und schöne Mona. Nuri ist sofort Feuer und Flamme für sie und empfindet gerade deshalb die Heirat seines Vaters mit ihr als Zumutung. So ist seine Abschiebung in ein englisches Internat Qual und Erlösung zugleich. Doch dann verschwindet der Vater spurlos in der Schweiz. Und nach einer anfänglich engen Trauergemeinschaft mit seiner Stiefmutter bleibt der Zwölfjährige allein zurück.

Nach dem Abschluss des Internats findet er die Kraft, auf den Spuren seines Vaters zu wandeln und so für sich die Hintergründe seiner Familie auszuleuchten. Er erkennt die Zusammenhänge zwischen dem Tod seiner Mutter, dem Verschwinden des Vaters und der Sprachlosigkeit der Stiefmutter. So kann er seinen Frieden schließen mit sich, den Toten und den Überlebenden.

Matar gelingt es, einfühlsam das private Schicksal des Jungen zu schildern und den Leser in die ägyptische Gesellschaft und ihre Werte jener Zeit einzuführen.

Roman Luchterhand 2011, ISBN 978 3 630 87245 2

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Veröffentlicht unter Ägypten, Belletristik, Schweiz

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