Hubert Mingarelli: Ein Wintermahl

Drei Soldaten sind irgendwo in Polen im Zweiten Weltkrieg stationiert und haben die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub: Entweder bleiben sie im Lager und beteiligen sich an Massenerschießungen oder sie gehen raus auf die Jagd nach Juden, die sich im Wald verstecken. Das ist die Ausgangslage von Hubert Mingarellis Roman „Ein Wintermahl“ in der Übersetzung von Elmar Tannert bei ars vivendi erscheinen.

Bauer, Emmerich und der Erzähler der Geschichte sind um die 40 Jahre alt. Nachts quälen sie die Albträume von den Massenerschießungen von Gefangenen, an denen sie mit ihrer Einheit teilnehmen müssen. Wenn sie es schaffen, auf die Jagd nach versteckten Juden geschickt zu werden, sind sie von den Massenerschießungen des Tages entbunden.

Solche Jagdtage sind geradezu Festtage. Ein paar Stunden können die drei durch die Eiseskälte des winterlichen Polen ziehen, sich über ihre Familien unterhalten und für kurze Zeit einfach nur drei Freunde beim Spaziergang sein.

Doch diese Idylle trügt. Wenn sie keine Beute mit ins Lager zurückbringen, werden sie so schnell nicht wieder auf die Jagd geschickt und das nächste Tötungskommando steht für sie auf dem Programm. Ist es nicht moralisch besser, nur einen oder zwei Tote am Tag auf den Gewissen zu haben, statt Dutzende? Oder wiegt der Tod eines Menschen, mit dem man sich vielleicht sogar unterhalten oder gar eine Wintermahl geteilt hat, nicht schwerer als viele anonyme Tote?

Der französische Autor Hubert Mingarelli richtet nicht, er begleitet die drei Männer auf ihrem Weg zwischen Tod und Tod in einer wunderbaren – von Elmar Tannert übersetzten – Sprache.

Unbedingte Leseempfehlung!

ars vivendi ISBN 9783747201794

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