Ilija Trojanow: Macht und Widerstand

Egal wie stark der Widerstand einiger weniger Oppositioneller gegen eine Diktatur sein mag, die Macht in Gestalt der Geheimdienste und ihrer Lenker setzt sich mit ihren unlauteren Mitteln immer und in allen Epochen durch. So lautet die Quintessenz von Ilija Trojanows neuem Roman "Macht und Widerstand".

Sehr eindrücklich schildert der aus Bulgarien stammende deutschsprachige Schriftsteller die Geschichte eines widerspenstigen Geistes in Bulgarien von 1953 bis 2007. Konstantin Milew Scheitanow revoltiert bereits als Jugendlicher gegen die kommunistische Diktatur und ihre offensichtlichen Verbrechen. Als er mit vermeintlich Gleichgesinnten einen Sprengstoffanschlag auf eine Stalin-Statue verübt, wird er zu zwanzig Jahren Straflager verurteilt.

Doch anders als seine Mitverschwörer wird er durch die Haft noch härter und klarer. Diese Klarheit und Stärke bewahrt er sich über die Haft hinaus. Dennoch hofft auch Konstantin 1989, dass sich die Gerechtigkeit durchsetzen wird: Folterknechte und Verräter sollten bestraft werden oder zumindest ihre Schuld eingestehen müssen.

Selbstredend wird diese Hoffnung enttäuscht. Denn die Angehörigen der Geheimdienste, des Wachpersonals und der Regierungen von einst retten sich in die neue Zeit. Wie sehr sie die Fäden auch heute noch zu ziehen im Stande sind, bekommt Konstantin schmerzhaft zu spüren. Vor allem sein alter Gegenspieler, der ehemalige Geheimdienstoffizier Metodi, hat so seine Methoden, um seine Widersacher zum Schweigen zu bringen.

"Macht und Widerstand" ist ein literarisch wie politisch hoch interessantes Werk, das hoffentlich mit seiner Nominierung für den Deutschen Buchpreis viele Leser finden wird. 

S. Fischer Verlag ISBN 9783104036045

Getagged mit: , ,
Veröffentlicht unter Belletristik, Bulgarien
0 Kommentare auf “Ilija Trojanow: Macht und Widerstand
1 Pings/Trackbacks für "Ilija Trojanow: Macht und Widerstand"
  1. […] von Ruth liest hat Ilija Trojanows “Macht und Widerstand” gelesen und kurz vorgestellt. Dieses Buch ist für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und Ruth […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Folgen Sie Ruth liest