Irena Brežná: Die undankbare Fremde

Ganz und gar dankbar bin ich über die Entdeckung des schmalen Bändchens "Die undankbare Fremde" von Irena Brežná, einer slowakisch-schweizerischen Schriftstellerin.

Die Ich-Erzählerin schildert die Erlebnisse von Flüchtlingen, die 1968 aus der Slowakei entkommen und in der Schweiz aufgenommen werden. In Rückblenden beschreibt sie die Zustände in der alten Heimat, die Diktatur und die Gewalt, die auf den Prager Frühling folgte. Irena Brežná erzählt aber auch von der zweiten Heimat. Indem sie ihre Hauptfigur - eine Dolmetscherin - begleitet, begegnet der Leser Flüchtlingen und ihren Schweizer Nachbarn, Ärzten oder Beamten. So beleuchtet die Autorin die latente Fremdenfeindlichkeit hinter der freundlichen Maske und die Angst, zu teilen in der Wohlstandsgesellschaft. Hinzu kommen die tausenden geschriebenen und ungeschriebenen Regeln, die nicht gebrochen werden sollten. Nicht zuletzt, weil die wohlmeinenden Nachbarn die Fremden beobachten und deren Regelverletzungen an die Ämter berichten. Die Überwachung in der Freiheit, die Kälte in der reichen Gemeinschaft und die Überheblichkeit gegenüber den Fremden weckt den Widerspruchsgeist der Dolmetscherin. So wird sie zur undankbaren Fremden.

Das kleine Buch hat es in sich. Es ist sprachlich sowie politisch überzeugend und unbedingt empfehlenswert.

Verlag Galiani Berlin ISBN 9783869710525

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Veröffentlicht unter Belletristik, Schweiz, Slowakische Republik
2 Kommentare auf “Irena Brežná: Die undankbare Fremde
  1. Mariki sagt:

    Liebe Ruth,
    wie schön, dass dieses Büchlein auch zu dir den Weg gefunden hat! Ich stimme dir absolut zu und bin mal so frei, mich hier zu verlinken: http://buecherwurmloch.wordpress.com/2012/04/01/irena-brezna-die-undankbare-fremde/

  2. Vor einiger Zeit habe ich diesen schmalen Roman ebenfalls gelesen. Schon allein die Sprache der Autorin hat mir ausgezeichnet gefallen. Ein feines Buch und äusserst empfehlenswert.

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