Irène Némirovsky: Leidenschaft

Was für ein Glück, dass die Werke von Irène Némirovsky in den letzten Jahren auf Deutsch erschienen sind. Ich lese ihre Romane leidenschaftlich gerne. Und wenn dann der Titel auch noch "Leidenschaft" lautet, muss ich natürlich zugreifen.

In dem schmalen Bändchen erzählt Némirovsky von zwei Affären. Die junge Colette, frisch verheiratet mit Jean, hat eine heftige Affäre mit Marc. Dann kommt Jean unter mysteriösen Umständen ums Leben und Colette schämt sich ihrer Leidenschaft für Marc. Die Geschichte wird begleitet von den moralischen Kommentaren ihrer Eltern und des Cousins ihrer Mutter, Silvio. Gegen Ende erfährt der Leser, dass ausgerechnet Colettes Mutter und ihr Vetter Silvio eine Liason hatten. Die gemeinsame Tochter wurde nach der Geburt "abgeschoben", damit der Fehltritt in der Gesellschaft nich bekannt wurde.

Irène Némirovsky prangert hier die Doppelmoral ihrer Elterngeneration an. Sicher vieles hat sich verändert. In manchen Belangen sind wir heute toleranter. Ein uneheliches Kind ist keine Schande mehr. Es ist ein gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft. Dennoch urteilen wir täglich über andere, obwohl wir selbst eine Menge Schuld oder Verantwortung mit uns herum tragen. Das Buch ist damit aktuell wie eh und je!

Knaus Verlag Verlagsgruppe Random House Bertelsmann 2009, ISBN 9783442742424

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Veröffentlicht unter Belletristik, Frankreich
Ein Kommentar auf “Irène Némirovsky: Leidenschaft
  1. Liebe Ruth,
    dieses Buch hat mir ganz besonders gut gefallen. Vor allem die Auflösung am Ende, die doch sehr überraschend für mich war. Überhaupt Irène Némirovsky – wie Du verfolge ich seit längerem die Neuerscheiungen und freue mich über jede weitere Initiative des Verlages: http://glasperlenspiel13.blogspot.com/2011/03/irene-nemirovsky.html

    Einen schönen Gruß

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