Isabela Figueiredo: Die Dicke

Anders sein, das scheint selbst im 21. Jahrhundert noch das größte Verbrechen zu sein. „Die Dicke“, Hauptfigur des gleichnamigen Romans von Isabela Figueiredo, ist in zweifacher Hinsicht anders: Sie ist als Kind in Mosambik aufgewachsen und sie ist übergewichtig.

In Rückblenden setzt Maria Luísa, die Ich-Erzählerin, ihr Leben Puzzlestück für Puzzlestück für die Lesenden zusammen. Ihre Eltern gingen in den 70er-Jahren von Portugal nach Mosambik. Nach dem Ende der portugiesischen Kolonialzeit (1975) schickten sie zunächst ihre Tochter nach Portugal zurück, bevor sie selbst Anfang der 80er-Jahre wieder nach Portugal zogen.

Das Mädchen verbringt ein paar Jahre im Internat. Für sie ein Martyrium. Im gemeinsamen Bad zeigen sich ihre Mitschülerinnen ungeniert, während Maria vor Scham über ihre Figur am liebsten im Erdboden versinken würde. Ihre einzige „Freundin“ nutzt nur ihre Klugheit aus, um bessere Noten zu bekommen.

An der Universität ist es wiederum ihre große Liebe David, der sich für sie schämt. Zwar liebt und begehrt er sie, aber seine Freunde und Familie will er nicht mit ihr teilen. Die furchtbaren Verunglimpfungen der Mitstudierenden versucht sie zu überhören. Dennoch dringen die Verletzungen tief in ihre Seele ein. So tief, dass sie immer mehr isst. In ihrer Verzweiflung entscheidet sie sich schließlich für eine Magen-Verkleinerung. 40 Kilo verliert sie dadurch, aber fortan kann sie nur noch Suppe essen. Wird sie glücklich damit? Kommt die Liebe ihres Lebens zu ihr zurück?

Wie schon in ihrem Roman „Roter Staub“ erzählt Isabela Figueiredo in ihrem aktuellen Buch von den Erfahrungen der Portugiesen, die sowohl in Mosambik als auch in Portugal nie ganz zu Hause waren. Im Gegensatz zu „Roter Staub“ enthält „Die Dicke“ für meinen Geschmack zu viele Schleifen und Redundanzen. Auf die Dauer gestaltet sich die Lektüre dadurch streckenweise langweilig. Sehr schade! Denn der Roman hat wunderbare Ansätze.

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

Weidle Verlag ISBN 9783938803981

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