Iva Procházková: Die Residentur

Ab und zu muss ich einfach einen guten Krimi lesen. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Denn die meisten Krimis folgen drögen Erfolgsmustern. Ganz anders als bei Iva Procházková. Die tschechische Autorin wird in ihrer Heimat für ihre Kinderbücher hoch verehrt. Nun sind alle ihre Kinder erwachsen und sie wechselt mit dem Politthriller „Die Residentur“ bereits zum zweiten Mal ins Krimifach. Ein Glücksfall für Fans anspruchsvoller Kriminalromane.

Iva Procházková erfindet mit Kasmanien ein Land, damit sie eine reale Geschichte erzählen kann. Eine Geschichte, wie wir sie seit Jahren und Jahrzehnten aus den Nachrichten kennen: Georgien, Ukraine etc. Die Rede ist von bewaffneten Konflikten oder schlichtweg Kriegen, die Russland in einigen der ehemaligen Sowjetrepubliken führt, um sich Macht und Ressourcen zu sichern. Begleitet werden die Kriege mit Wortkriegen, also Fake News, sprich Kampagnen bezahlter Trollfabriken, die die Meinung in den betroffenen Regionen, vor allem aber in den zuschauenden Ländern massiv beeinflussen sollen.

Vor diesem realen Hintergrund spielt die Krimifiktion rund um einen kasmanischen Blogger, der in Prag auf offener Straße erschossen wird. Aufgabe der tschechischen Polizei ist es, herauszufinden, ob hinter dem Mord eine politische Verschwörung steckt oder persönliche Konflikte in seinem Freundeskreis zu seinem Tod geführt haben.

Natürlich verrate ich hier nicht den Mörder. Es ist auch fast egal, wer am Ende geschossen hat. Viel spannender und erhellender ist das politische Treiben in Prag – in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, das Iva Procházková in ihrem sehr gelungenen Krimi beschreibt.

Aus dem Tschechischen übersetzt von Mirko Kraetsch.

Braumüller Verlag ISBN 9783992002740

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