J.M.G. Le Clézio: Der Afrikaner

In dem schmalen Bändchen "Der Afrikaner" zeigt sich der Erzähler J.M.G. Clézio in seiner ganzen Größe.

Einfühlsam berichtet er über seine Kindheit im vom Krieg geprägten Frankreich und von der so ganz anderen Welt - von Afrika. Die Familie zieht 1948 nach Kamerun, um den Vater wieder zu treffen, der als Tropenarzt während des 2. Weltkrieges dort ausgeharrt hatte. Der Krieg hatte jeden persönlichen Kontakt zwischen dem Vater und der Familie unmöglich gemacht. Und so ist die Reise des 8-jährigen Clézio die erste bewusste Begegnung mit dem Vater und mit der Fremde. Wobei der Vater für den Sohn fremder bleibt als Afrika. Sein autoritäres Verhalten, seine Schonungslosigkeit gegenüber sich selbst und seiner Familie, um seine Ideale zu realisieren, entfernen den Vater vom Sohn. Was bleibt ist viel Respekt für die Lebensleistung des Vaters aber auch viel Schmerz über die Lücke, die der Vater im Leben seines Sohnes hinterlässt.

"Der Afrikaner" ist ein großartiger Familienroman, der zudem einen tiefen Einblick in die Kolonialgeschichte bietet.

Carl Hanser Verlag 2007, ISBN 978 3 446 20948 0

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Veröffentlicht unter Afrika, Belletristik, Frankreich

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