Jesper Clemmensen: Die Entscheidung der Familie Sender

Das schmale Bändchen von Jesper Clemmensen "Die Entscheidung der Familie Sender" hat es in sich. Es ist nichts weniger als die gnadenlose Abrechnung mit einem gnadenlosen System, das aus den Verbrechen des DDR-Regimes und dem Schweigen des Westens zum Leiden in der DDR bestand.
Der dänische Journalist beschreibt in seinem Buch das Schicksal der Familie Sender. Heinz-Georg Sender übersiedelt 1961 im Alter von 24 Jahren freiwillig in die DDR. Der Bundeswehrsoldat hat hohe Schulden in Westdeutschland und hofft, diese im Osten Deutschlands hinter sich lassen zu können. Mit dem Bau der Mauer rechnet er so wenig wie die meisten anderen DDR-Bürger. 
 
Schnell wird er sich bewusst, dass insbesondere er als ehemaliger Westbürger keine Reiseerlaubnis erhält. Die Sehnsucht nach der im Westen zurückgelassenen Familie wächst aber. Jahrelang stellt er für seine mittlerweile drei Kinder, seine Frau und sich einen Ausreiseantrag nach dem anderen. Als die Staatsmacht ihm offen droht, die Kinder zu entziehen, falls er nicht Ruhe gibt, entschließt sich die Familie zur Flucht.
 
Mit zwei Faltbooten wollen sie über die Ostsee nach Dänemark gelangen. Ein Teil der Familie stirbt in der eiskalten Ostsee, die beiden Überlebenden werden von einem dänischen Schiff gerettet. Die dänischen Behörden schweigen zu dem Vorfall, um ihre guten Beziehungen zum DDR-Regime nicht zu gefährden.  
 
Schlimm genug, dass ein Regierung seine Bürger bedroht und einsperrt. Dass demokratisch geführte Länder aus Gewinnsucht dazu schweigen, ist aber nicht hinnehmbar und so leistet Jesper Clemmensen einen wichtigen Beitrag, das Schweigekartell der Profiteure zu brechen.
 
mikrotext ISBN 9783944543475
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Veröffentlicht unter Dänemark, DDR, Deutschland

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