Jón Kalman Stefánsson: Ástas Geschichte

Am Anfang ist das Glück: Das Glück der Geburt von Ásta, der jüngeren Tochter, von Helga und Sigvaldi. Doch „Astas Geschichte“ ist ein Roman des isländischen Autors Jón Kalman Stefánsson. Das Glück hält folglich nicht lange und schlägt um in Scheitern, Schuld und Schuldgefühle. Entsprechend melancholisch liest sich der Roman, der – typisch für den Autor – seine schmerzvollen Botschaften in berührend poetische Worte kleidet.

„Ástas Geschichte“ ist die Geschichte einer beruflich erfolgreichen Frau, die hinter dieser Fassade an Einsamkeit und Schuldgefühlen fast zugrunde geht, nach dem sie vom Tod ihrer zwei Jahre älteren Schwester erfährt.

Ihrer beider Mutter, Helga, verläßt die Familie, als die Schwestern noch im Vorschulalter waren. In den folgenden Jahrzehnten stürzt Helga immer weiter ab in ihre Alkoholsucht. Der Vater ist nach der Trennung überfordert und so wächst Ásta bei einer Pflegemutter getrennt von ihrer Schwester auf. Ein klassisches Teenagerverhalten führt zum Bruch zwischen Ásta und ihrer Pflegemutter, der durch den frühen Tod der Pflegemutter auch nicht mehr geheilt werden kann. Ásta droht daran zu zerbrechen, wird selber früh Mutter, und lässt ihre Tochter bei Sigvaldi und seiner neuen Frau Sigrid in Norwegen aufwachsen.

Jón Kalman Stefánsson schildert Ástas Geschichte nicht chronologisch, sondern lässt die wichtigsten Protagonisten abwechselnd mit ihren individuellen Rückblicken zu Wort kommen. Bei Ásta geschieht das in Briefform. Ihr Vater hingegen stürzt, liegt daraufhin auf dem Bürgersteig im Sterben, und erzählt einer fremden Helferin seine Version der Familiengeschichte.

Für meinen Geschmack überschreitet Stefánsson leider in diesem Roman zuweilen die Grenzen zum Kitsch wie mit dieser Formulierung auf der letzten Seite: „Es wird nie aufhören weh zu tun. Wie müssen trotzdem weitermachen und zusehen, dass sich das Schweigen öffnet.“

Piper Verlag ISBN 978-3-492-05937-4

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

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