Jonas Karlsson: Das Zimmer

Was könnte langweiliger sein als die Geschichte eines jungen ehrgeizigen Mannes, der seinen neuen Job in einer Behörde antritt. Denkste. Der Roman "Das Zimmer" des schwedischen Schriftstellers und Schauspielers Jonas Karlsson zieht den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile in den Bann. 

Björn ist der Prototyp des aufstrebenden jungen Kollegen. Er hält sich für klüger als seine Umgebung. Insgeheim arbeitet er Strategien für seinen Aufstieg als Abteilungsleiter aus. Entsprechend gering sind seine sozialen Fähigkeiten, was ihn schnell zum Außenseiter innerhalb des Großraumbüros der Behörde macht. Aus Sicht seiner Kollegen ist er nur ein Mitarbeiter, der für nicht allzu anspruchsvolle Aufgaben geeignet ist und seine Spleens pflegt. Denn er fällt durch einen Ordnungsfimmel und genaues Zeitmanagement unangenehm auf. Zu den weiteren Angestellten der Behörde hat er kaum Kontakt, will er kaum Kontakt haben. Umso dankbarer nimmt er die Entdeckung des "Zimmers" auf.

Im Flur neben Aufzug und Toiletten entdeckt er ein Büro-Zimmer, das nicht benutzt wird. Immer häufiger zieht er sich darin zurück. Genießt die Ruhe und kann plötzlich durch seine in diesem Zimmer erledigte Arbeit bis rauf zum Direktor der Behörde glänzen. Einziger Haken: Das Zimmer gibt es nach Auffassung aller Behördenmitarbeiter gar nicht. Alles ein Fake? Mobbing? Neid? 

Sprachlich hervorragend, spannend wie ein Krimi und tief in die Abgründe unserer Arbeits- und Lebenswelt blickend ist Jonas Karlsson ein kleines Meisterwerk gelungen.

Luchterhand Literaturverlag in der Verlagsgruppe Random House ISBN 9783630874609

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Veröffentlicht unter Belletristik, Schweden
2 Kommentare auf “Jonas Karlsson: Das Zimmer
  1. Silvia sagt:

    So ein Zimmer hätte ich auch gerne, neben meinem Großraumbüro. Das hört sich spannend, fast nach Kafka an!

  2. Ja, das ist ein Meisterwerk und spannend wie ein Krimi, obwohl keine Toten zu beklagen sind. Und dass du, Silvia, gerne auch so ein Zimmer entdecken möchtest, kann ich mir gut vorstellen.

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