Juli Zeh: Unterleuten

Unterleuten von Juli Zeh

Der Roman „Unterleuten“ von Juli Zeh gehörte zu den Top-Bestsellern des Bücherjahres 2016. Es ist so viel über dieses Buch und seine Hintergründe geschrieben worden, dass ich lange keine Lust hatte, mich mit dem Buch zu beschäftigen. Wie im Leben, hilft manchmal der Abstand. Der Online-Ausleihe der Leipziger Stadtbibliothek habe ich zu verdanken, dass ich nun endlich doch den Weg zu diesem großen Gesellschaftsroman gefunden habe.

Juli Zeh siedelt ihren Roman in einem vermeintlich idyllischen Dorf in Brandenburg mit etwa 100 Einwohnern an. Ob Alteingesessene oder Zugezogene, alle hadern mit sich und ihrer kleinen Welt. Als das große Geschäft mit Windrädern winkt, werden die Konflikte zwischen Wendeverlierern und -gewinnern, zwischen Alten und Jungen, zwischen Original-Dörflern und den Metropolenbewohnern auf der Landflucht deutlich sichtbar.

Allen gemein ist die Unaufrichtigkeit sich selbst gegenüber und ihren nächsten Angehörigen. Die Selbstlügen und Lügen führen erwartbar zu einem tödlichen Ende des Dorfkrieges.

Sehr genau seziert Juli Zeh die Dorfgemeinschaft. Als Leserin folge ich gebannt der Erzählung. Dennoch sind zu viele der gesellschaftlichen Implikationen im Roman zu erwartbar. Unterm Strich fehlt mir in „Unterleuten“ das Überraschungsmoment. Dennoch ist Juli Zeh eine wichtige und lesenswerte Momentaufnahme der deutschen Gesellschaft gelungen.

Luchterhand Literaturverlag ISBN 9783641167295

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