Karine Tuil: Die Gierigen

Die Gier als Romanmotiv ist sicher nicht neu, aber was die französische Autorin Karine Tuil in ihrem Werk „Die Gierigen“ daraus macht, ist bemerkenswert.

Eine Dreiecksgeschichte im studentischen Pariser Milieu: Nina Roche und Samuel Baron sind ein Paar als sie Samir Tahar Mitte der 80er Jahre an der Universität begegnen. Samuel, der sich seiner jüdischen Wurzeln entledigen will, und der arabisch stämmige Samir werden beste Freunde. Bis, ja bis Gelegenheit Diebe macht und Nina und Samir ihre Gefühle füreinander entdecken. Nach einer Selbstmorddrohung Samuels entscheidet sich Nina für ihn.  Samir verlässt Paris und setzt sein Jurastudium in Montpellier erfolgreich fort. Von dort aus führt ihn sein beruflicher Weg steil nach oben, während Samuel und Nina in Paris in ärmlichen Verhältnissen leben.

Der Leser trifft Samir, der inzwischen Sam heißt, 20 Jahre später als Chef einer der renommiertesten Rechtsanwaltskanzleien New Yorks wieder. Er ist mittlerweile verheiratet, hat zwei Kinder und wird von allen als Mitglied der jüdischen Gemeinde betrachtet. Der Identitätswechsel entwickelte sich aus einem Missverständnis heraus, den er nie den Mut hatte, aufzuklären. Zu groß sind seine Verlustängste. Wie würden die Familie, die Freunde und die Klienten auf die Wahrheit reagieren? Gleichzeitig quält sich Samir mit Schuldgefühlen der Mutter gegenüber, die einsam in Frankreich zurückblieb, und inständig hofft, ihr Sohn werde ein Leben als guter Muslim führen. Wenig Schuldgefühle plagen ihn bei seinen zahlreichen Affären.

Als er aber Nina und Samuel in Paris erneut begegnet, beginnt sein reiches, auf Gier nach Geld, Anerkennung und Sex basierendes Leben auseinanderzubrechen. Und, was machen die ehemaligen Freunde angesichts von Samirs tiefem Fall? Sie folgen ihrer eigenen Gier nach einem vermeintlich besseren Leben.

Eine faszinierende Geschichte, die ich in einem Leserausch verschlungen habe.

Aufbau Verlag ISBN 9783841208439

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Veröffentlicht unter Belletristik, Frankreich, USA
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