Karol Sidon: Traum von meinem Vater

Der tschechische Schriftsteller Karol Sidon hat nur die ersten beiden Jahre seines Lebens mit seinem Vater verbringen dürfen. Als Jude wurde der Vater verhaftet und ermordet. Karols Mutter war keine Jüdin und schaffte es, sich selbst und ihren Sohn durch die Jahre der Shoa zu retten. Happy End? Nicht wirklich. Zumindest lässt das autobiografische Werk von Karol Sidon "Traum von meinem Vater", übersetzt von Elmar Tannert, darauf schließen.

Zum einen ist die Leerstelle, die der Vater hinterlässt, zu groß für den Sohn. Literarisch setzt er seinem Vater mit dem Buch daher ein kleines Denkmal. Zum anderen sind die antisemitischen Einstellungen von Nachbarn und Politik mit dem Ende der deutschen Besatzung nicht einfach weg. Im Gegenteil. Viele auch im Umfeld der Sidons haben im kommunistischen Regime ihren Antisemitismus gepflegt und ausgelebt.

Sidon, der in den 80er Jahren nach Heidelberg ging, um Judaistik zu studieren, ist heute Landesrabbiner Tschechiens. Ihm ist mit dem Buch ein liebevolles Porträt seiner Familie und ein schonungsloses der Gesellschaft gelungen.

Karol Sidon wurde am 24. Februar gemeinsam mit weiteren Kulturschaffenden, die während der nationalsozialistischen Besatzung und später im Kommunismus aus ideologischen Gründen verfolgt wurden, mit dem Titel "Ritter der tschechischen Kultur" ausgezeichnet. Der tschechische Kulturminister Antonín Staněk und der Direktor des Festivals gegen Totalitarismus "Mene Tekel", Jan Řeřicha, verliehen die Preise.

ars vivendi verlag ISBN 9783747200100

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Veröffentlicht unter Belletristik, Tschechien
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