Karosh Taha: Beschreibung einer Krabbenwanderung

Im Mittelpunkt von Karosh Tahas Debütroman "Beschreibung einer Krabbenwanderung" steht eine vierköpfige kurdische Familie, die auf der Suche nach einem besseren Leben aus dem Irak nach Europa ausgewandert ist.

Sanaa ist Anfang 20. Sie lebt in einem Hochhaus irgendwo in Deutschland, studiert, hat einen festen Freund, den sie liebt, und einen Freund, mit dem sie gelegentlich Sex hat. Alles könnte so schön sein. Wenn, wenn ihre Eltern nicht so unglücklich wären, dass sie permanent das Gefühl hat, sie muss sich um sie kümmern.

Vor allem ihre Mutter Asija macht ihr Kummer. Tagelang steht sie nicht auf, ist völlig teilnamslos, geht aber ab und zu auf den Balkon oder das Dach. Ob sie springen will? Sanaa befürchtet es. Sie schwankt zwischen Flucht vor den Eltern und Flucht vor ihrem eigenen Leben, um für immer für Mutter und Vater da zu sein. Denn der Vater Nasser ist mindestens so unglücklich. Zwar steht er auf und verlässt die Wohnung, aber nur um sich mit anderen Frauen einzulassen. Diese können nicht die fehlende Liebe ersetzen.

Als Sanaas Mutter endlich eine Freundin findet und wieder aufsteht, kocht und sogar lacht, hat die Tochter ständig Angst vor dem nächsten Rückfall. Wieder traut sie sich nicht, sich für ein eigenes Leben oder Lebensglück zu entscheiden.

Erst als sie begreift, dass ihre Eltern alles tun würden, damit ihre Töchter nicht den gleichen Fehler begehen wie sie einst, kann Sanaa ihren Weg gehen. In der Familie soll niemand mehr gegen seinen Herzenswillen heiraten. Und auf diesem Weg werden die Eltern sie unterstützen und begleiten, egal, was ihre überwiegend kurdische Hochhausgemeinschaft dazu sagen wird.

Sehr einfühlsam und dennoch humorvoll erzählt Karosh Taha, wie Unglück, Unglück gebären kann. Doch der Mensch ist frei, wenn die wichtigsten Menschen in seinem Leben, ihm diesen Freiraum lassen.

DuMont Buchverlag ISBN 9783832198800

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

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