Katharina Winkler: Blauschmuck

Zugegeben, ich bin spät dran. Die meisten meiner Bloggerkollegen haben schon vor Monaten von Katharina Winklers Debütroman "Blauschmuck" geschwärmt. Lange lag das Buch auf dem Stapel der Bücher, die irgendwann mal dran sein sollten. Wie gut, dass es das Projekt "Das Debüt" gibt. Als Mitglied der Bloggerjury darf ich mich durch die Shortlist lesen. Und siehe da, von den fünf Titeln kannte ich bis dato nur einen.

Das Debüt von Katharina Winkler "Blauschmuck" fängt harmlos an. Eine Geschwisterschaar spielt irgendwo im ländlichen Raum der Türkei auf dem Hof. Mit der Zeit trübt sich das Bild ein. Die Kinder spielen keineswegs nur auf dem Hof. Sie arbeiten hart, damit die Familie genug Essen auf dem Tisch hat. Das eine oder andere Kind darf zwischendurch zur Schule gehen. Allerdings muss es dafür einen zweistündigen Marsch pro Strecke auf sich nehmen. 

Harmlos wirkt auch der Titel: Blauschmuck. Doch mit Blauschmuck bezeichnen die Frauen im Dorf die verschiedenen Blauschattierungen, die sie nach den Schlägen durch ihre Männer oder Väter auf der Haut tragen. 

Filiz, die im Mittelpunkt der Erzählung steht, hat scheinbar Glück. Yunus, ein kühner junger Mann aus dem Dorf verliebt sich in sie und will sie mitnehmen nach Deutschland. Raus aus der Gewalt, raus aus der Abgeschiedenheit und hinein in die freie Welt. 

Leider erweist sich Yunus als Ehemann ebenfalls als Schläger. Zuweilen entschuldigt er sich bei Filiz dafür. Er liebe sie doch so sehr. Dennoch werden die Schläge gegen sie und ihre gemeinsamen drei Kinder immer härter. Ein Neubeginn in Österreich soll Abhilfe schaffen. Doch Yunus fällt immer wieder in die alten Muster zurück. 

Die Erzählung von Filiz hat Katharina Winkler auf der Grundlage einer wahren Geschichte entwickelt. Natürlich macht dieser Fakt das Buch noch eindringlicher. Aber die Erzählung berührt vor allem, weil Katharina Winkler eine hervorragende Autorin ist. Ich hoffe, ich kann noch viele Geschichten aus ihrer Feder lesen. 

"Blauschmuck" ist definitiv ein würdiger Anwärter auf den Bloggerpreis "Das Debüt".

Suhrkamp Verlag ISBN 9783518745335

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland, Türkei
Ein Kommentar auf “Katharina Winkler: Blauschmuck
  1. Eva Jancak sagt:

    Mich hats auch erst spät erwischt, bei der Debutlesung bei den O Tönen im Museumsquartier und dann war ich bei zwei Preisverleihungen und war ganz sicher Katharina Winkler gewinnt, selber ist es mir ein bißchen ähnlich wie bei „Weißblende“ https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/11/17/weissblende/ gegangen, sicher ein hochliterarisches Buch, aber ist das wirklich die Sprache einer Unterschichttürkin und ist das nicht auch ein bißchen Mißbrauch, wenn wir versuchen den orientalischen Ton nachzuahmen?
    So war ich immer ein bißchen hin und hergerissen und froh bei den fünf mein „Preisbuch“ https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/11/26/nachts-ist-es-leise-in-teheran/ gefunden zu haben, wo es diese Zweifel nicht gibt, aber schade oder ein bißchen komisch finde ich es, daß das Buch auf der Votingseite des „Debutblogs“ weit unter https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/11/24/weisses-rauschen-oder-die-sieben-tage-von-bardorf/ganz unten liegt, denn so würde ich es nicht empfinden!
    https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/11/05/blauschmuck/

3 Pings/Trackbacks für "Katharina Winkler: Blauschmuck"
  1. […] Hacker besticht in ihrem Debütroman "Blauschmuck" mit einem sehr emotionalen Thema und eindringlicher Sprache. In ihrem Roman geht es um Gewalt von […]

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