Keiji Nakazawa: Barfuß durch Hiroshima

Vor zwei Monaten reisten mein Mann und unser jüngster Sohn zehn Tage lang durch Japan. Als sie in Hiroshima Station machten, kaufte ich mir die weltberühmte Graphic Novel "Barfuß durch Hiroshima" von Keiji Nakazawa. Den Rest des Tages verbrachten unser ältester Sohn und ich mit dem Lesen und Sehen des puren Grauens.

Keiji Nakazawa hatte als Kind den Atombombenabwurf auf Hiroshima erlebt und überlebt. Später wurde er Mangazeichner. Als seine Mutter 1966 starb und sich in ihrer Asche keine Knochen fanden, weil die Strahlung die Knochen zerfressen hatte, fing er an, seine Vorkriegs- und Kriegserlebnisse zeichnerisch zu verarbeiten.

Seine Erzählung beginnt im kaiserlichen Japan in den Wochen vor dem Atombombenabwurf durch die Amerikaner. Eindringlich schildert er die fanatische Einstellung der Bevölkerung, die Kriegshetzte des Regimes und die Verfolgung aller Andersdenkender. Was ihn übrigens vom offiziellen Gedenken an die Opfer von Hiroshima unterscheidet. Nakazawa erzählt auch die Vorgeschichte des Grauens.

Im zweiten Teil seiner Graphic Novel zeichnet er die Ereignisse nach dem Bombenabwurf auf. Dieser Teil ist kaum zu ertragen und zu erfassen und dennoch kann man nicht aufhören, weiter zu lesen. Das Buch sollte Pflichtlektüre in den Schulen der Welt und bei der Soldatenausbildung jeder Armee sein. Aber wahrscheinlich ist es sehr naiv zu glauben, die Lektüre würde die Kriegstreiber dieser Welt aufhalten.

Lizenzsausgabe der Süddeutschen Zeitung GmbH ISBN 9783864970030

 

 

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Veröffentlicht unter Belletristik, Japan

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