Laurent Binet: Die siebte Sprachfunktion

Man nehme eine unterhaltsame Schreibe mit viel Humor und füge die Geschichte der Philosophie des 20. Jahrhunderts aus französischer Sicht hinzu. Et voilà: Heraus kommt "Die siebte Sprachfunktion" von Laurent Binet.

Wer wie ich in den 80er Jahren studiert hat, musste sich zwangsläufig mit den französischen Philosophiegöttern auseinandersetzen: Louis Althusser, Roland Barthes, Jacques Derrida, Michael Foucault, BHL - Bernard-Henri Lévy, Jean-Paul Sarte und Simone de Beauvoir, Philippe Sollers und Julia Kristeva etc. Laurent Binet schildert sie alle, einschließlich ihrer amerikanischen Götterkollegen Judith Butler, Noam Chomsky, Roman Jakobson und John Searle als krankhaft eitel. Mit Vergnügen stürzt er sie von ihrem Thron.

Der Autor nimmt den echten Unfalltod von Roland Barthes 1980 als Ausgangspunkt für seinen Roman. Im Buch wird der berühmte Philosoph von einem bulgarischen Wäschereilaster überfahren. Der erfahrene, bullige Kommissar Bayard soll das Rätsel um den Tod, Unfall oder Mord, lösen.

Immer wieder geraten er und sein "Assistent", der junge Philosoph Simon Herzog in Lebensgefahr. Denn der Roland Barthes im Roman besaß die geheime Formel für die "Siebte Sprachfunktion". Menschen, die diese Formel beherrschen, sollen angeblich rhetorisch unbesiegbar werden.

Kein Wunder, dass die beiden französischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1980 Françoise Mitterand und Valéry Marie René Giscard d’Estaing sich einen Kampf um die Formel liefern. Noch skrupelloser kämpft allerdings der eine oder andere Philosoph um die Formel, aus purer Eitelkeit versteht sich.

Wie passen da Umberto Eco und Barack Obama rein? Lest es selber. Es ist das pure Vergnügen.

Rowohlt Verlag ISBN 9783498006761

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Veröffentlicht unter Belletristik, Frankreich

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