Lukas Bärfuss: Hagard

Es gibt viele gute Bücher mit interessanten Figuren, spannenden Geschichten oder politischen Botschaften. Und es gibt Romane und Erzählungen, die vor allem durch ihre Sprache überzeugen. Wenn beides zusammenkommt, ist das ein seltener Glücksfall. Ein solcher Glücksfall ist Lukas Bärfuss Roman "Hagard". 

Kaum ein  zeitgenössischer, deutschsprachiger Schriftsteller versteht es so die Worte zu setzen oder auszulassen, wie der Schweizer Autor. Von der ersten Seite an gelingt es ihm daher, Leser*innen in den Bann zu schlagen. Dabei ist der Plot des Buches nicht neu. 

Philip, Mitte 40, ist ein erfolgreicher Immobilienmakler. Er scheint nichts anderes im Sinn zu haben, als sein Geld und seine Statussymbole mehren zu wollen. Doch eines Tages sieht er auf der Straße eine Frau und folgt ihr spontan, statt seinen Sohn von der Tagesmutter abzuholen. Er verfällt der fremdem Frau, wie in einem Rausch und kann nicht aufhören, ihr durch die Stadt hinterher zu jagen.

Als er endlich zur Besinnung kommt und zurück zu seinem Auto - zu seiner alten Identität - finden will, ist es bereits zu spät. Er verliert die Kontrolle über sein Leben "... und der Zeitgeist jener Tage befahl Kontrolle ...", wie Lukas Bärfuss an einer Schlüsselstelle schreibt. "Nur der Erfolg beweist in den Augen der Mitmenschen meine Gesundheit", das ist, was den sogenannten normalen Menschen vom irrsinnigen unterscheidet.

"Hagard" wäre sicher auch ein würdiger Preisträger des Preises der Leipziger Buchmesse 2017 gewesen. Immerhin war der Roman nominiert und hat zahlreiche andere Preise gewonnen.

Wallstein Verlag ISBN 9783835318403

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Veröffentlicht unter Belletristik, Schweiz

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