Lukas Bärfuss: Koala

In der letzten Stunde der Leipziger Buchmesse am Sonntagnachmittag schlägt meine Stunde als Leserin über die Messe zu gehen und nach Schätzen im Büchermeer zu tauchen. Dank Myriam vom Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband entdeckte ich auf meinem Rundgang den bereits 2014 erschienenen Roman "Koala" von Lukas Bärfuss. Was für ein Glücksfall!

Lukas Bärfuss schildert in seinem Roman die Geschichte zweier Brüder, die in verschiedenen Städten leben und nur wenig gemeinsame Zeit verbringen. Sie scheinen sich kaum zu kennen und auch keine Ambitionen zu haben, sich kennenzulernen. Das ändert sich erst als einer der beiden Selbstmord begeht. Der Suizid veranlasst den überlebenden Bruder das Leben des anderen genauer anzuschauen und zu hinterfragen. Wer war er? Welche Freunde hatte er? Was trieb ihn an zu leben und dann den Tod zu suchen? Was hielt ihn selbst am Leben und davon ab, seinem Bruder zu folgen?

Bei seiner Recherche erinnert er sich an den Spitznamen seines Bruders aus Kindertagen: Koala. Und schon erzählt er von der Entdeckung der Koalas in Australien und schildert ihre Lebensbedingungen und die Lebensumstände ihrer Jäger, der Strafgefangenen, die in die Kolonie abgeschoben wurden.

Kaum ein Buch hat mich persönlich in den letzten Jahren so berührt wie dieses schmale Bändchen. Gleich drei Menschen in meinem Lebensumfeld haben sich teils über Jahre mit dem Gedanken getragen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Gleichzeitig verbindet mich mit einer meiner Schwestern die Liebe zu den Koalas, die ich glücklicherweise auch in ihrer Heimat besuchen durfte.

Vielleicht liegt es daran, dass ich atemlos jeder Zeile von Lukas Bärfuss gefolgt bin. Vielleicht liegt es aber auch an der enormen Dichtkunst des preisgekrönten Autors.

Wallstein Verlag, ISBN 9783835306530

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