Lukas Rietzschel: Raumfahrer

Erstaunlich, mit welcher Kunstfertigkeit ein so junger Schriftsteller wie der 1994 geborene Lukas Rietzschel in seinem Roman „Raumfahrer“ die zwei großen DDR-Umbrüche verarbeitet.

Scheinbar im Mittelpunkt des Romans steht Jan, der in einem Kleinstadt-Krankenhaus in der Lausitz arbeitet. Er führt ein bescheidenes und eher trostloses Leben. Die Mutter hatte sich zu Tode getrunken, der Vater grummelt vor sich hin und lasst den 1989 geborenen Sohn bei sich im Keller wohnen.

In der Kleinstadt scheint kaum noch Leben zu sein. Auch das Krankenhaus soll geschlossen werden. Arbeitsperspektiven für die Zeit nach der Schließung gibt es für Jan zumindest in der Region nicht. Lukas Rietzschel zeichnet gekonnt das Bild der verblühenden ostdeutschen Landschaften.

Zum trostlosen Bild passt Kern „der Alte“ – ein Stammpatient. Dieser drückt Jan eines Tages eine Kiste mit Briefen und Fotos in die Hand, die die Familiengeschichte von Jan in ein neues Licht rücken lässt.

Parallel erzählt der Roman die Familiengeschichte von Kern, Neffe des berühmten Malers Georg Baselitz. Hier vermischen sich Fiktion und Realität. Tatsächlich hat Lukas Rietzschel für diesen Part Originalunterlagen von Georg Baselitz und seinem Bruder Günter Kern verwendet.

Die Baselitz-Kern-Passagen führen tief in das Unrechtsregime der DDR mit ihrer unrühmlichen und allmächtigen Stasi, die das Leben so vieler Menschen manipuliert hat, auch das von Georg, Günter und Jan…

Raumfahrer ist für alle Kunst- und Geschichtsinteressierte eine wahre Lesefreude!

dtv ISBN 9783423439439381

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