Mahir Guven: Zwei Brüder

"Zwei Brüder" heißt schlicht der starke Debütroman des französischen Autors Mahir Guven, der die unterschiedlichen Lebenswege zweier französisch-syrischer Brüder in Paris beschreibt.

Abwechselnd erzählen der "große Bruder" und der "kleine Bruder" die Geschehnisse aus ihrer jeweiligen Perspektive. Der große Bruder hat den Absprung aus der Kleinkriminellenszene geschafft und verdient sich seinen Lebensunterhalt als Uber-Taxifahrer. Der kleine Bruder hingegen arbeitet als Pfleger in einem Pariser Krankenhaus.

Beide sind in einem weitgehend säkularen Haushalt aufgewachsen. Der Vater war und ist ein überzeugter Kommunist, während die Mutter aus einem katholischen Milieu stammt. Religion kommt zu Kinder- und Jugendzeiten nur in Gestalt der syrischen Großmutter vor, die bei ihren Parisbesuchen versucht, den Jungs zumindest die Grundlagen des Islam zu vermitteln.

Vielleicht aus Liebe zur Großmutter oder aus Trotz zum Vater, beide Brüder beschäftigen sich mit dem Islam und gehen hier und da in die Moschee. Doch irgendwann ändert sich das Verhalten des kleinen Bruders. Er kann nicht aus der Ferne mitansehen, wie die Menschen in Syrien der Gewalt ausgesetzt sind. Er will helfen und taucht eines Tages unter.

Ist der eigene Bruder ein Terrorist? Ein Mörder? Geistert er inzwischen mit Anschlagsplänen im Gepäck wieder in Paris rum? Von Seite zu Seite entwickelt sich das Buch vom Psychogram zum Krimi, in dem der Leser sich zwischen Traum oder besser Albtraum und Wirklichkeit durchkämpfen muss. Und der Lektürekampf lohnt sich im Gegensatz zum Glaubenskampf.

Aufbau Verlag ISBN 978335103761

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Veröffentlicht unter Belletristik, Frankreich
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