Margaret Mazzantini: Das Meer am Morgen

Die Autorin Margaret Mazzantini verbindet in ihrem jüngsten Werk "Das Meer am Morgen" das Drama um die afrikanischen Flüchtlinge heute mit dem Ende der italienischen Kolonialzeit in Afrika.

Da sind Farid und seine Mutter Jamila. Sie überleben nur knapp die Wirren der libyschen Revolution und entschließen sich zur Flucht. Sie sind voller Vertrauen, dass Europa ihrem Elend nicht gleichgültig gegenüber stehen wird. Und sie haben keine Vorstellung, wie weit die italienische Küste entfernt ist, wenn man einzig und allein auf ein GPS-betriebenen Klapperkan und eine Flasche Wasser pro Person angewiesen ist.

Was bleibt vom Traum nach einem selbstbestimmten und friedlichen Leben? Der Wunsch der Mutter erst nach ihrem Sohn zu sterben.

An der italienischen Seite des Mittelmeeres beobachtet Vito die ankommenden Flüchtlinge. Seine Familie wurde von Gaddafi vor Jahrzehnten aus Libyen vertrieben. Im Gegensatz zu den afrikanischen Flüchtlingen fanden sie in ihrer ursprünglichen Heimat Italien ein Zuhause, aber heimisch fühlen sie sich nicht. Es bleibt eine Sehnsucht nach Afrika und den Kindheitsfreunden. Mit Schrecken und ebenso großer Ohnmacht betrachten sie das Geschehen um die in Europa ungewollten Flüchtlinge.

Ein sehr bewegendes Buch über unsere Schuld und Mitschuld an verbrecherischen Regimen, die wir mit ein paar Almosen versuchen zu tilgen.

DuMont Buchverlag 2012 ISBN 9783832196844

 

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Veröffentlicht unter Afrika, Belletristik, Italien, Libyen

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