Maria Barbal: Inneres Land

Literarische Auseinandersetzungen mit den Eltern oder einem Elternteil sind populär, haben wir doch alle so unsere Kämpfe mit unseren Erzeugern auszutragen. Maria Barbal konzentriert sich in ihrem Roman "Inneres Land" auf ihre Mutter.

Die Tochter skizziert als Ich-Erzählerin eine verbitterte, lebensunfrohe Mutter. Ständig scheint diese etwas an der Heranwachsenden auszusetzen zu haben. Zärtlichkeit und Lob sind Mangelware in ihrer beider Verhältnis. Die Tochter sucht Anerkennung und Liebe außerhalb des Elternhauses. Aber je mehr sie sucht, desto weniger wird sie fündig.

Erst aus dem Abstand ihres Erwachsenseins kann sie sich vorarbeiten in das innere Land ihrer Mutter, in die Verletzungen und Demütigungen aus der Wut, Trauer und Hoffnungslosigkeit entstanden sind. Denn der Großvater wurde im Zuge des spanischen Bürgerkrieges von den Franquisten ermordet und die gesamte Familie im Dorf als Außenseiter behandelt. Die ganze Verantwortung für das wirtschaftliche Schicksal der Familie übernahm damals die Mutter, die selber noch ein Teenager war.

Wer sich für die spanische Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert, wird hier fündig. Barbal schildert eindringlich den Einfluss der Geschichte auf die Persönlichkeitsstrukturen. Allerdings gelingt es ihr nicht durchweg, auf 386 Seiten Spannung zu erzeugen.

Transit Buchverlag 2008, ISBN-10: 3887472330

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Veröffentlicht unter Belletristik, Spanien
2 Kommentare auf “Maria Barbal: Inneres Land
  1. Spanische Geschichte des 20. Jahrhunderts? Genau richtig für mich. Bleibt auf jeden Fall im Kopf. Wie bist du denn auf sie gekommen?

    • Ruth Justen sagt:

      Ehrlich gesagt, habe ich sie in der Stadtbücherei entdeckt und anschließend hat mir eine Kollegin von ihr richtig vorgeschwärmt. Sie muss in Spanien sehr bekannt sein.

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