Marketa Pilatova: Mit Bata im Dschungel

Bata-Filialen gehörten zum Alltag in meiner Kindheit und Jugend in Westdeutschland. Daher war ich auf den neuen Roman der tschechischen Autorin Markéta Pilátová „Mit Baťa im Dschungel“ besonders gespannt und wurde belohnt. 

Im Mittelpunkt des Romans steht Jan Antonín Baťa, der zwanzig Jahre jüngere Halbbruder von Tomáš Baťa. Letzterer hatte in Tschechien die Schuhproduktion Baťa gegründet und zu einem der größten Unternehmen des Landes aufgebaut. Bereits 1932 starb er bei einem Flugzeugabsturz. Testamentarisch verfügte er, dass sein Halbbruder die Firma der Witwe und ihrem Sohn Tomáš abkaufen sollte. 

Als nunmehr alleiniger Eigentümer baute Jan Antonín die Firma zu einem weltweiten Imperium aus. Dabei reiste er sowohl nach Nord-, als auch nach Südamerika. Reisen, die ihm die Flucht 1938 nach der Okkupation durch die Wehrmacht erleichterten. Denn ein so erfolgreicher Konzern weckt Begierden. Begierden der deutschen Besatzer, aber auch des inzwischen in Kanada beheimateten Neffen und des kommunistischen Regimes nach dem Zweiten Weltkrieg.

Warum eine Flucht für Jan Antonín Baťa unumgänglich war, warum Brasilien seine neue „Heimat“ wurde und was all das mit einer Familie macht, erzählen verschiedene Familienangehörige, darunter auch die Hauptfigur des Romans Jan Antonín Baťa sowie eine der inzwischen verfallenen Schuhfabriken abwechselnd im Roman. 

Dieser erzählerische Kniff der Autorin macht das Buch besonders lebendig. Ein echter Lesegenuss ist der Roman aber auch Dank der wunderbaren Übersetzung von Sophia Marzolff.

„Mit Baťa im Dschungel“ ist ein sprachlicher und lehrreicher Glücksgriff.

Meine Rezension ist unabhängig von meiner Tätigkeit für das Projekt Leipzig2020Tschechien.

Wieder Verlag ISBN 9783990293829

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