Markus Orths: Max

Max Ernst, Hans Arp, Marcel Duchamp, André Breton oder Gala und Peggy Guggenheim – die Surrealisten und ihre Musen waren für mich Lichtgestalten nicht nur meiner Jugend, sondern des gesamten 20. Jahrhunderts. Ich musste daher den Roman „Max“ über Max Ernst (1891 bis 1976) von Markus Orths einfach lesen. Und nach der Lektüre habe ich gleich wieder von Vorne angefangen. Denn der Anfang erschloss sich mir erst richtig, nachdem ich das Ende der Geschichte kannte.

Der Roman beginnt Ende der 40er Jahre. Max Ernst lebt mit seiner vierten Frau der Malerin Dorothea Tanning in den USA in einer einsamen Hütte in Arizona. Auf dem Weg nach New York trifft er einen Hopi-Indianer, der ihn fragt, ob er ein Künstler sei. Max Antwort auf diese Frage ist 555 Seiten lang.

Ein bisschen zu lang, wie ich gestehen muss. Denn es ist manchmal mühsam, Markus Orths Romanfigur Max zu folgen. Über weite Strecken fand ich es aber spannend, wie der Autor das Geflecht der wilden Pariser Malerszene Anfang des 20. Jahrhunderts beschreibt. Die vom Ersten Weltkrieg traumatisierte Generation sucht Liebe und Freiheit, experimentiert in ihren Betten und auf den Leinwänden sowie Bühnen ihrer Zeit. Sie stellen hemmungslos alles in Frage: künstlerisch, politisch und sozial. Dabei ist dieser Generation eine ungeheure Vielfalt in Wort und Bild gelungen. Viele Künstler und ihre Werke wurden im faschistischen Europa ermordet. Einige konnten sich und einen Teil ihrer Kunst in Sicherheit bringen.

Doch im Mittelpunkt von Markus Orths Erzählung steht der Mensch Max Ernst. Ein Egoist par excellence, der ausschließlich seiner Lust folgt – einer Lust auf die jeweilige Angebetete und einer unbändigen Schaffenslust. Erstaunlicherweise bleibt er dennoch im Roman immer ein Sympathieträger.

Besonders positiv ist der große Raum, den der Autor den verschiedenen Lebenspartnerinnen von Max Ernst gibt. Angefangen von der Kunsthistorikerin Louise Straus, seiner ersten Ehefrau, über Gala, die als Gala Dali berühmt wurde, bis hin zur psychisch labilen Marie-Berthe Aurenche oder der Künstlerin und Schriftstellerin Leonora Carrington und der Kunstsammlerin Peggy Guggenheim oder der Malerin Dorothea Tanning.

Markus Orths verbindet sehr geschickt „Max“ private Geschichte mit der historischen und kunsthistorischen Entwicklung des 20. Jahrhunderts.Ein sehr lesenswertes Buch.

Carl Hanser Verlag ISBN 9783446256491

Getagged mit: ,
Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Folgen Sie Ruth liest