Matthias Jügler: Die Verlassenen

Vor gut 31 Jahren brachte die Friedliche Revolution die Mauern, die die DDR umgab, zum Einstürzen. Ende gut, alles gut? Keineswegs, wie Mathias Jüglers Roman „Die Verlassenen“ eindrücklich zeigt. Denn das Unrecht der sozialistischen Diktatur hinterlässt auch Jahrzehnte später viel Leid und Schmerz.

Aus der Perspektive des Erwachsenen, der inzwischen Vater eines 14-jährigen Sohnes ist, erzählt Johannes die Geschichte seiner Eltern. Er beginnt mit dem Tag im Jahr 1994, an dem sein Vater spurlos verschwindet. Seine Großmutter kümmert sich bis zu ihrem Tod fünf Jahre später rührend um den damals 13-Jährigen, dessen Mutter bereits 1986 verstarb.

Immer wieder meint Johannes seinen Vater zu erkennen, hofft innerlich auf dessen Rückkehr. Stattdessen findet er eines Tages einen Brief an seinen Vater, den dieser kurz vor seinem Verschwinden erhalten haben muss. Zumindest der Tod der Mutter erklärt sich dadurch. Das Rätsel um das Verschwinden des Vaters und damit eine riesige, kaum zu verkraftende Leerstelle in Johannes Seele bleibt.

Was genau die Stasi damit zu tun hat, will ich hier nicht verraten. Tatsache ist, die Verbrechen, die im Namen des Sozialismus begangen wurden, hallen in den in der DDR aufgewachsenen Generationen massiv nach.

„Die Verlassenen“ ist eine überaus emphatische Erzählung, die dem Leid der Diktaturopfer ein tief trauriges Gesicht gibt.

Penguin Verlag ISBN 9783641266585

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