Matthias Nawrat: Unternehmer

Mit seinem Roman "Unternehmer" zeichnet Matthias Nawrat ein genial hässliches Bild unserer Leistungsgesellschaft.

Die Geschichte spielt im Schwarzwald nach dem Zusammenbruch der deutschen Wohlstandsgesellschaft. Nur wer Arbeit hat, hat etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf. Und zur Schule gehen eh nur Arbeitslose, meint Lipa. Die 13-Jährige und ihr jüngerer Bruder Berti arbeiten täglich im Familienbetrieb ihres Vaters mit. Das Unternehmen verkauft Altmetalle an den Schrotthändler. Um an diese Altmetalle zu kommen, brechen die beiden Kinder mit ihrem Vater in verfallene Industrieanlagen inklusive Atomkraftwerken ein. Das das für die Unternehmer mit Risiken verbunden ist, zeigt der fehlende Arm von Berti. Aber, was soll man machen. Denn als Unternehmer kannst du viel erreichen, sogar dein Traumziel Neuseeland liegt in greifbarer Nähe, wenn du dich anstrengst und alles riskierst.

Gut geht das selbstredend nicht, dennoch machen die Kinder immer weiter. Sie haben schlichtweg keinen anderen Sinn in ihrem Leben bisher erfahren, als zu leisten, um zu überleben.

Matthias Nawrat ist eine großartige Parodie auf unsere perverse Leistungsgesellschaft gelungen. Die stellenweise schmerzliche Lektüre lohnt sich vor allem für uns Selbstständige, die gerne das selbst und ständig im Munde führen.

Danke, liebe Vera, dass ich das Buch im Rahmen der Aktion LongListLesen 2014 des Deutschen Buchpreises lesen durfte. Leider ist der Roman nicht auf der Shortlist gelandet, die dafür aber andere sehr spannende Bücher enthält.

Rowohlt Verlag ISBN 9783498046125

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland
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1 Pings/Trackbacks für "Matthias Nawrat: Unternehmer"
  1. […] Ruth von Ruth liest sieht in der Lektüre ein genial hässliches Bild unserer Leistungsgesellschaft und resümierte: Matthias Nawrat ist eine großartige Parodie auf unsere perverse Leistungsgesellschaft gelungen. Die stellenweise schmerzliche Lektüre lohnt sich vor allem für uns Selbstständige, die gerne das selbst und ständig im Munde führen. […]

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