Mein Favorit für den Blogbuster 2018

Charlotte Kliemann: Nenn ich dich Aufgang oder Untergang

Ihr kennt das sicher alle: Man nimmt ein Manuskript zur Hand und ist schon nach wenigen Zeilen gefesselt. So erging es mir mit der Leseprobe des Manuskripts "Nenn ich dich Aufgang oder Untergang". Die Autorin, Charlotte Kliemann, hatte sich mit ihrem Werk um den Blogbuster 2018 beworben.

Als Jurymitglied der diesjährigen Preisrunde wollte ich mich von diesem ersten Leseeindruck nicht zu sehr beeindrucken lassen. Doch auch das vollständige Manuskript hält, was die Leseprobe versprach: Die Figuren sind klar und stringent herausgearbeitet. Die Sprache ist vielseitig, sensibel und dennoch stellenweise wortgewaltig. Das muss sie auch, wenn sie zur Schwere des Stoffes passen soll.

Hier ist aus meiner Sicht aber auch der Knackpunkt des Werkes: Charlotte Kliemann versucht ein wenig zu sehr, zwei gleichwertige Schicksale vor dem Hintergrund der Verfolgung von Juden und Roma im Dritten Reich zu konstruieren. Hier ist das scharfe Auge eines erfahrenen Lektors gefragt.

Hauptfigur des Buches ist Martin. Der Journalist im besten Alter lebt von seiner Frau und seinen Kindern getrennt und scheint kaum beziehungsfähig zu sein. Bis er Claudia trifft, eine junge sehr empfindsame Witwe und Mutter. Martin will dieses Mal endlich alles richtig machen. Gegenseitig erzählen sie sich ihre tiefsten Empfindungen, die an ihre jeweiligen Kindheitstraumata rühren.

Martins Mutter Rubina stammt aus einer Romafamilie. Sie hat als Kind nur knapp das Dritte Reich überlebt. Der jahrelange Kampf ums Überleben hat tiefe Wunden im Kind und der späteren Erwachsenen hinterlassen. Wunden, die auch bei ihrem Sohn zu großen Narben geführt haben. Rubina lebt seit Martins 11. Lebensjahr in einer geschlossenen Anstalt.

Das Gefühl von der Mutter im Stich gelassen worden zu sein, kennt auch Claudia. Ihre Mutter hatte als jüdisches Mädchen den Holocaust überlebt und später die eigene Tochter allein gelassen, um sich um Waisen in Indien zu kümmern.

Stärkt das Wissen um das gemeinsame Trauma das Paar? Oder verstärken sie gegenseitig ihre dunkleren Seiten? Entscheiden sie sich für einen gemeinsamen Auf- oder Untergang?

Das können Leser hoffentlich bald herausfinden. Sollte Charlotte Kliemann den Blogbuster 2018 gewinnen, erhält sie einen Verlagsvertrag und ihr Buch wird im kommenden Herbst bei Kein & Aber zur Frankfurter Buchmesse veröffentlicht.

Ich drücke ihr die Daumen!

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