Mira Magen: Zu blaue Augen

Frauenroman gilt als No-Go-Kategorie für ernsthafte Leser*innen. Zu Unrecht, wie die israelische Schriftstellerin Mira Magén immer wieder beweist.

Ihr jüngster auf Deutsch erschienener Roman „Zu blaue Augen“ dreht sich um Großmutter Hanna, ihre Haushälterin Johanna, ihre drei Töchter Jardena, Simona und Orna sowie die Enkelin Dana. Sie alle leben zusammen im Mietshaus der Großmutter.

Die drei Töchter sind erfolgreiche Akademiker*innen, die nicht aus finanzieller Not ins elterliche Nest zurückgekehrt sind. Sie alle suchten nach diversen Beziehungskrisen die Geborgenheit zuhause, um wieder zu sich selbst zu finden und die nötige Kraft für einen privaten wie beruflichen Neuanfang aufbringen zu können.

Alle Frauen sind stark, sind bei sich, selbst wenn sie sich zeitweise in den Irrungen und Wirrungen des Lebens verlieren.

Im krassen Gegensatz zu den Frauen steht der männliche Protagonist des Romans: Rafael schleicht sich als vermeintlicher Dichter in das Haus ein und mietet die letzte freie Wohnung. Er braucht dringend Geld, um seine Schwester mit ihrem stark behinderten Kind zu unterstützen. Für dieses Ziel hat er sich an einen Bauunternehmer verkauft, der unbedingt das Haus der Großmutter erwerben will. Rafael soll die Großmutter von einem Verkauf überzeugen. 

Der Mann in der Geschichte schwankt wie ein Grashalm: Einerseits will er seiner eigenen Familie helfen. Andererseits muss er dafür die Frauen verraten.

Die Frauen aber gehen ihren Weg, entscheiden sich selbstbestimmt für die Liebe entweder zum Kind oder zum Manne.

„Zu blaue Augen“ ist ein Plädoyer für die selbstgewählte Liebe zu den eigenen Bedingungen.

dtv ISBN 9783 423261296 

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Veröffentlicht unter Belletristik, Israel

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