Monika Helfer: Die Baggage

Wie könnte ich an einem Roman vorbeigehen, dessen Hauptfiguren Maria und Josef heißen und in einem römisch-katholisch geprägten Dorf leben? „Die Baggage“ heißt der Roman von Monika Helfer, der aus der Perspektive der Enkelin die Geschichte des Ehepaars Maria und Josef erzählt.

Maria ist die schönste und begehrteste Frau im Dorf. Gemeinsam mit ihrem ebenfalls attraktiven Mann Josef und den drei Kindern lebt sie am Rand eines Dorfes. Von den Bewohnern wird die Familie als „Die Baggage“ bezeichnet. Sie gehören nicht wirklich zur Dorfgemeinschaft. Zum einen, weil Josef an Klugheit die anderen weit überragt und das eine oder andere „Geschäft“ mit großem Erfolg tätigt. Zum anderen, weil eine so schöne Frau wie Maria doch niemals treu sein kann, denkt zumindest die Dorfgemeinschaft.

Tatsächlich wird Marias Treue durch den Ersten Weltkrieg auf eine harte Probe gestellt. Josef muss als einer der ersten im Dorf in den Krieg ziehen und bittet seinen Geschäftspartner, den Bürgermeister, darum, sich um Maria zu kümmern. Der versorgt die Familie mit Lebensmitteln. Als er aber mitbekommt, dass sich ein Fremder für Maria interessiert, will er sie erpressen und wird zudringlich.

Als Maria dann auch noch mitten im Krieg ein Mädchen – Margarete – zur Welt bringt, fängt der Tratsch erst recht an, obwohl Josef mehrfach Fronturlaub hatte.

Meisterhaft gelingt es Monika Helfer, die Zeit des Ersten Weltkriegs zum Leben zu erwecken und die Macht des Gedankengiftes – der üblen Nachrede – aufzuzeigen.

Das schmale Bändchen von 158 Seiten liest sich dank der wunderbaren Sprache in einem Rutsch.

Carl Hanser Verlag, ISBN 9783446265622

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