Nathan Englander: Dinner am Mittelpunkt der Erde

Lange habe ich kein so kluges Buch über den Nahost-Konflikt gelesen wie „Dinner am Mittelpunkt der Erde“ von Nathan Englander.

Das Dinner am Mittelpunkt der Erde findet tatsächlich statt. Mitten in einem Schmugglertunnel, der unterhalb der Grenze Israels und des Gazastreifens verläuft, verbringen die ehemalige israelische Spionin Shira und ihr Geliebter, der kaltgestellte palästinensische Kartograph, ein paar gemeinsame Stunden. Mehr als ein bisschen Liebe hier und ein bisschen Frieden dort gibt es für sie nicht.

Das gilt sinnbildlich für beide Völker. Denn jeder, der in diesem Buch versucht, einen Ausgleich zwischen den beiden Völkern herzustellen, scheitert. Dies gilt ebenso für den General wie für den Ex-Spion Z.

Vorbild für die Figur des Generals ist Ariel Sharon. Berühmt und berüchtigt wurde er nicht nur durch seine waghalsigen militärischen Manöver, die ihm den Ruf eines Helden einbrachten. Vor allem kennzeichnete ihn sein brutales Vorgehen gegen Menschen, die er als Feinde Israels ansah. So befehligte er Racheaktionen für terroristische Anschläge und ließ die christlichen Milizen im Libanon Palästinenser in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila ermorden, ohne einzuschreiten. Dennoch wurde ausgerechnet er nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten (2001 bis 2006) zum Hoffnungsträger für den Frieden mit den Palästinensern. Er setze immerhin den Abzug aller israelischen Siedler aus dem Gazastreifen durch: Land für Frieden. Und er hatte weitere Schritte vor, als ihn ein Schlaganfall ereilte.

Hätte es funktioniert, wenn ihn 2006 nicht ein Schlaganfall niedergestreckt hätte? Kann es je einen Ausgleich der Interessen geben? Nathan Englander lässt wenig Hoffnung aufkeimen: „Niemand weiß, wie und wann oder auch nur, ob das Blutvergießen jemals ein Ende haben wird. Nur, dass beide Seiten um Gerechtigkeit kämpfen, sich im Namen der gerade Getöteten umbringen, denen zur Ehre, die starben, weil sie die Tode derer gerächt haben, die vor ihnen Rache übend starben.“

Was hat das alles mit Z zu tun? Viel. Mehr will ich hier nicht verraten.

Luchterhand Literaturverlag ISBN 9783641241711

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

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