Nava Ebrahimi: Das Paradies meines Nachbarn

Zwei Produktdesigner mit iranischen Wurzeln treffen in Nava Ebrahimis Roman „Das Paradies meines Nachbarn“ in einer Münchner Agentur aufeinander. Der eine ist der knallharte Chef, der andere eher der gemütliche Typ, der sich vor zu viel Verantwortung scheut. Beide verstecken ihre Persönlichkeiten hinter dicken Mauern, die erst eine gemeinsame Reise sprengen wird.

Sina Khoshbin ist mit Ende 30 der dienstälteste Produktdesigner. Uninspiriert kämpft er sich durch seine Arbeitstage, um neue Teekannen oder Lautsprecher zu entwerfen. Zuhause wartet eine Frau auf ihn, die immer müde ist, wenn er sich ihr nähern will, und die gemeinsame kleine Tochter. Dabei entspricht sein Lebensweg dem Abziehbild eines gelungenen Lebens: Verheiratet, ein Kind, erfolgreiches Studium, sichere Arbeit und das alles vor dem Hintergrund einer von Mangel geprägten Kindheit. Denn seine deutsche Mutter hat ihn alleine großgezogen. Sein iranischer Vater verließ die Familie sehr früh und lebt längst in den USA. Sina kennt den Vater nur von wenigen Treffen alle paar Jahre. Dennoch wird er vor allem aufgrund seines iranischen Namens ständig angesprochen, wie lange er schon in Deutschland lebt und warum er so gut Deutsch spricht.

Diese Erfahrung teilt er unter anderem mit seinem neuen Chef Ali Najjar. Ali kam im Alter von 14 Jahren nach einer abenteuerlichen Flucht aus dem Iran nach Deutschland und gilt inzwischen als einer der begabtesten und bekanntesten Produktdesigner Deutschlands. Er wirkt knallhart. Doch an einer Stelle im Roman erklärt er Sina: „Die Moral von der Geschichte: nie wieder Opfer. Und wenn ich kein Opfer sein will, muss ich Täter sein. Für Ausländer wie dich und mich gibt es nichts dazwischen.“ Zwischen den beiden fast gleichalten Männern entsteht so etwas wie eine Beziehung.

Als Ali aus Teheran eine SMS bekommt, dass er sich in Dubai mit dem Ziehsohn seiner verstorbenen Mutter treffen soll, um einen Brief von ihr zu erhalten, bittet er Sina, mitzukommen. Sina, der mit seinem Leben im Moment nicht viel anfangen kann, begleitet Ali nach Dubai. Die Reise wird, wie nicht anders zu erwarten war, für beide eine Reise zu sich selbst.

Mehr kann ich hier nicht verraten. Wer das Buch liest, erfährt sehr viel über die Schrecken und die Skrupellosigkeit der Mullahs sowie das Grauen des Iran-Irak-Krieges, aber auch die Schuld und Scham der wie auch immer Überlebenden solcher Regime.

btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House ISBN 9783442758692

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

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