Nicholas Shakespeare: Broken Hill

Ich liebe die Bücher von Bruce Chatwin. Was liegt also näher, als einen Roman seines Biographen Nicholas Shakespeare zu lesen? Das jüngste Werk des britischen Schriftstellers Nicholas Shakespeare ist gerade erst bei Hoffmann und Campe erschienen. Nur 125 Seiten umfasst der Roman "Broken Hill", der auf ganz eigene Art das Leben im Exil aufgreift.

Der Roman spielt in der kleinen Bergbaustadt Broken Hill im Jahre 1915. Der Erste Weltkrieg tobt bereits ein Jahr und selbst aus der australischen Provinz nehmen Soldaten an den Schlachten gegen Deutschland, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich teil. Die ersten jungen Männer kehren im Sarg nach Hause.

Die jungen Männer, die noch nicht am Krieg beteiligt sind, kämpfen mit einer wirtschaftlichen Rezension im Ort. Denn in der Bergbaustadt wird das Erz gewonnen, aus dem in Sachsen Waffen und Munition für Deutschland hergestellt werden. Selbstverständlich beliefert Australien im Krieg nicht die Fabriken des Gegners. Also fährt das Bergwerk nur halbe Schichten und die Bewohner haben noch weniger Einkommen als zuvor.

In Zeiten wirtschaftlicher Not und Kriegsdrohungen richten die Bewohner ihren Blick auf die kleine muslimische Gemeinde. Zumeist sind es Inder und Afghanen mit britischen Pass, die um die Jahrhundertwende in dem Ort gestrandet sind. Sie leben in ärmlichen Verhältnissen am Rande der Stadt. Zu den großen Streitpunkten im Ort gehört die rituelle Schlachtung der Tiere für die muslimischen Bewohner. Der Schlachter der Gemeinde erhält keine offizielle Genehmigung der Stadt, weil er kein Metzger ist. Immer wieder werden muslimische Bewohner von der Mehrheitsbevölkerung ausgegrenzt und erniedrigt.

Eines Tages beschließen Gül und Molla Rache zu nehmen. Sie wollen für das Osmanische Reich gegen Australien kämpfen, schließlich töten die australischen Soldaten ja auch Osmanen, so ihre Logik.

Die Erzählung liest sich wie eine Parabel auf unsere Zeit und ist wohl auch so gemeint. Sprachlich ist das Buch sehr gelungen. Zudem erhält der Leser einen guten Einblick in die Lebensumstände in der australischen Provinz Anfang des 20. Jahrhunderts. Insofern lohnt sich die Lektüre. Aber leider lukt der Wunsch des Schriftstellers, ein politisch korrektes Buch zu schreiben, allzu sehr aus jeder Seite hervor. So überzeugt beispielsweise die Motivation der beiden muslimischen Attentäter nicht.

Hoffmann und Campe ISBN 9783455405446

 

 

 

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Veröffentlicht unter Australien, Belletristik

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