Nino Haratischwili: Mein sanfter Zwilling

In den letzten Wochen wurde so viel über das jüngste und druckfrische Werk von Nino Haratischwili "Das achte Leben" geschrieben, da musste ich einfach ihren zweiten Roman "Der sanfte Zwilling" in die Hand nehmen.

Warum ist mir diese Bücherperle im Erscheinungsjahr 2011 entgangen? Ich weiß es nicht. Aber es war definitiv ein Verlust für das Lesejahr 2011. Zum Glück kann man Bücher aufklappen, wann immer die Zeit für einen selbst reif ist. Und ein Glücksfall ist die Lektüre dieses Romans in jedem Fall. Obwohl oder gerade weil es um das Thema Schuld geht.

Die Ich-Erzählerin und ihr Adoptivbruder sind durch eine scheinbar untilgbare Schuld aneinander gefesselt. Sie irren durch ihr Leben - frei nach dem Motto sie schlugen und vertrugen sich. Sie laufen dabei Gefahr, sich selbst, den jeweiligen "Zwilling" und die Menschen, die sie lieben, zu verletzen. Dennoch müssen sie fast zwanghaft ihrer Schuld aus Kindertagen immer wieder neue Schuldpakete aufladen.

Das Geschwister- und Liebespaar braucht Jahrzehnte, Ivo gar bis an sein Lebensende, um zu erkennen, dass sie nicht alleine Schuld am Tod von Ivos Mutter sind. Vielmehr waren es die Erwachsenen, die sich aus Feigheit in ein todbringendes Schweigen retteten und ihre Kinder dem Fegefeuer überließen. Und nun ist es an der Ich-Erzählerin das Schweigen und die Schuld nicht auf die nächste Generation zu übertragen. "Denn die Schuld soll enden. Sie soll ausgelöscht werden. Obwohl ich weiß, dass es unmöglich ist, will ich es versuchen."

Der aus Georgien stammenden Autorin gelingt es mühelos, den Leser mit auf diese Reise der Selbsterkenntnis zu nehmen, ihn zu fesseln und bis zuletzt zu bewegen.

Ich freue mich schon auf die Lektüre des jüngsten Romans der Autorin "Das achte Leben"!

Frankfurter Verlagsanstalt  ISBN: 9783627021757

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland, Georgien

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