Nir Baram: Gute Leute

In seinem Roman „Gute Leute“ führt der Israeli Nir Baram seine Leser in die Nazizeit. Schauplätze sind Berlin, Leningrad, Brest und Lublin zwischen 1938 und 1941.

Thomas arbeitet für ein weltweit tätiges amerikanisches Marktforschungsinstitut in Berlin. Er hat es zum Partner der deutschen Niederlassung gebracht und ist entsprechend stolz auf sich und seine Leistung. Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bereitet ihm keinen Kummer, auch wenn er kein Unterstützer der Nazis ist.

Einziger Wermutstropfen in seinem Leben: Seine Mutter, mit der er zusammen wohnt und zu der er ein inniges Verhältnis hat, liegt im Sterben. Als ihm die einstige jüdische Haushaltshilfe bgegnet und seine Mutter besuchen will, ahnt er nichts Gutes. Tatsächlich trifft er an diesem Tag, der später als Reichskristallnacht in die Annalen der Geschichte eingehen wird, auch seinem Jugendfreund. Dieser ist längst ein überzeugter Nazi und fest etabliert in der Führungsriege des Regimes. Thomas ist angewiedert von der Primitivität der Schlägertrupps und zeigt dies auch offen seinem Jugendfreund. Er glaubt sich das Leisten zu können. Schließlich ist er intelligent, erfolgreich und für eine Firma tätig, die auch für das neue Regime von Bedeutung ist. Dennoch findet er Zuhause die einstige Angestellte ermordet vor. Eine erste Warnung des Jugendfreundes und der Diktatur, die Thomas aber nicht wirklich realisiert.

Parallel schildert Nir Baram die Geschichte von Sascha aus Leningrad. Ihre Eltern und deren Freunde waren im Visier des KGB. In der Hoffnung zumindest ihre Brüder zu retten, verriet Sascha den Freundeskreis und ihre Eltern. In einer Mischung aus Schuldgefühlen, Überlebenswillen und Liebe zu ihrem Mann arbeitet sie für den KGB, leitet sogar Verhöre mit den ehemaligen Freunden.

Sascha und Thomas werden von ihrer jeweiligen Umgebung als nicht 100prozentig eingestuft und dementsprechend auf Abstellgleise geschoben. Sie sollen gemeinsam ein deutsch-sowjetisches Treffen in der Grenzstadt Brest organisieren, obwohl allen bereits klar ist, dass die deutsch-sowjetische „Freundschaft“ nicht von langer Dauer sein wird.

Egal, was die beiden für das jeweilige Regime empfinden, denken oder tun – für sie gibt es keinen Platz in den totalitären Gesellschaften.

Es ist zwar interessant, das Ringen von Thomas und Sascha um Erfolg und schließlich ums Überleben zu verfolgen, dennoch wirkt der Roman wie eine Kopfgeburt, mehr Konstrukt als Literatur.

Hanser, ISBN: 9783446240605

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland, UDSSR

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