Nuruddin Farah: Gekapert

Wer kennt sie nicht, die Sorgen, die Teenager ihren Eltern bereiten? Kein Bock auf Schule. Keinen Sinn im Leben. Das ist schwer genug für Kinder wie Eltern. Was aber, wenn dein Teenagersohn dem Ruf eines „falschen“ Predigers folgt und sich zum Terroristen ausbilden lassen will? Ein hochaktuelles Buch, das die Hintergründe des blutigen Überfalls auf das Einkaufszentrum in Kenia beleuchtet.

Ahl, Direktor eines Forschungszentrums in Minneapolis, hat einen somalischen Vater und eine chinesische Mutter. Er lebt mit seiner somalischen Frau in den USA. Sein Stiefsohn, Taxliil, ist von Zuhause abgehauen und hat sich über den Iman seiner Gemeinde in ein Ausbildungskamp für islamische Terroristen nach Somalia schmuggeln lassen. Ahl nutzt seine verwandtschaftlichen Beziehungen in Somalia und macht sich in der Küstenstadt Bosaso auf die Suche nach seinem Stiefsohn. Unterstützung erfährt er von seinem Bruder Malik. Der erfahrene Reporter, der ebenfalls in den USA lebt, nimmt das Verschwinden von Taxliil zum Anlass, über die politische Lage zu recherchieren. Er reist gemeinsam mit seinem somalischen Schwiegervater nach Mogadischu.

Beide, Ahl und Malik, sind trotz ihrer Lebens- und Krisenerfahrung nicht im Mindesten auf die Realitäten des Bürgerkrieges vorbereitet. Sie wissen zwar um die Gewalt im vom Bürgerkrieg erschütterten Somalia. Die Gewalt aber am eigenen Leib zu spüren, Freunde ermordet zu sehen und die zermürbende Angst vor Denunziation zu erleben, ist dennoch etwas anderes.

Nuruddin Farah kapert den Leser geradezu mit seiner Erzählung. Man könnte das Buch auch als Thriller lesen. Doch leider entsprechen die Schilderungen der Realität und sind keine Fiktion.

Suhrkamp, eISBN 9783518730539

 

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Veröffentlicht unter Belletristik, Somalia, USA

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