Oliver Teutsch: Die Akte Klabautermann

Wenige Autor:innen erfahren eine solche Ehre wie Hans Fallada. Sein Werk „Jeder stirbt für sich allein“ erlebte gleich zwei Mal Aufmerksamkeit – 1947 bei der Erstauflage im neu gegründeten Aufbau Verlag und Anfang des 21. Jahrhunderts durch seine Übersetzung etwa in den USA, Großbritannien, Frankreich, Israel und schließlich der Wiederauflage 2011 in Deutschland. Vier Mal wurde das Buch verfilmt, zuletzt 2016 mit Emma Thompson und Daniel Brühl. Wie entstand dieses Meisterwerk über ein einfaches Ehepaar, das mit Postkarten gegen den Nationalsozialismus mitten in Berlin aufbegehrte? Dieser Frage geht der Journalist in seinem Roman „Die Akte Klabautermann“ nach.

Hans Fallada war der Künstlername des 1893 in Greifswald geborenen Schriftstellers Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen. Sein Vater schämte sich für den Beruf des Sohnes und wollte seinen Namen nicht beschmutzt sehen. Zumindest ist das die Erklärung im Roman, der im zerstörten Berlin des Jahres 1946 spielt.

Der Name Hans Fallada strahlte 1946 noch großen Glanz aus. Kleiner Mann – was nun?, Bauern, Bonzen und Bomben oder Wald unter Wölfen war den Zeitgenossen noch in guter Erinnerung. Doch der Hans Fallada des Jahres 1946 ist gezeichnet von seiner Alkohol- und Morphiumsucht.

Dennoch traute ihm Johannes R. Becher, der erste Präsident des 1945 gegründeten Deutschen Kulturbundes zur Erneuerung Deutschlands, zu, den „großen antifaschistischen Roman“ zur Erziehung der Deutschen zu schreiben. Vorlage für den Roman sollte die Akte Klabautermann der Gestapo über ein Berliner Ehepaar sein. Das Paar nahm auf seine Art Rache für den Tod ihres Sohnes als Wehrmachtssoldat und verteilte in der Stadt Postkarten mit antifaschistischen Botschaften. Das letzte Kapitel der Akte, die vollzogene Todesstrafe am Ehepaar, wurde Fallada auf Wunsch Bechers nicht ausgehändigt. Schließlich brauchen die Deutschen ja positive und nicht etwa traurige Geschichten!

Spannend liest sich der Roman von Oliver Teutsch über die Entstehungsgeschichte des Weltbestsellers „Jeder stirbt für sich allein“. Für jeden, der ein Interesse an Kulturgeschichte hat, ist das Werk auch ein Gewinn, nur zu hohe literarische Ansprüche darf man leider an den Text nicht haben.

ISBN 9783 866383432 Axel Dielmann Verlag

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