Olivier Guez: Das Verschwinden des Josef Mengele

Der Roman "Das Verschwinden des Josef Mengele" gehört zu den wohl qualvollsten Büchern, die ich je gelesen habe. Dass ich dennoch bis zur letzten Seite durchgehalten habe, liegt an dem großartigen französischen Autoren Olivier Guez.

Der Autor und Journalist hat sich bereits in vielfältiger Weise mit den Verbrechen gegen die Menschlichkeit des Dritten Reiches beschäftigt. Im vorliegenden Roman schlüpft er in den Kopf des Lagerarztes von Auschwitz (Mai 1943 bis Januar 1945) und erzählt aus dessen Perspektive vom zunächst fetten Leben in Südamerika (1949 - 1979) bis hin zur ständigen Fluchtbereitschaft gegen Ende seines Lebens.

Was macht das Buch so unendlich qualvoll? Die Schonungslosigkeit, mit der Olivier Guez die Überzeugungen des Josef Mengele darlegt. Kein Funken Reue schwebt auch nur zwischen den Zeilen mit. Der Mann, der abertausenden Menschen durch Selektion oder Experimente den Tod gebracht hat, hielt sich für den Wahrer der deutschen Genetik. Ein Held und kein Mörder. Ich will hier gar nicht im Einzelnen die kranken Ideen wiedergeben. Sie geistern schon zu häufig wieder in den Köpfen und Streams dieser Welt herum.

Wer sich nicht wundern will, warum so vieles von dem Nazi-Gedankengut noch im Umlauf ist, der lese dieses Buch und mache sich klar, welch große Netzwerke hinter den Altnazis standen und offensichtlich heute noch hinter ihren Ideen und Taten stehen.

Aufbau Verlag ISBN 9783841215956

Getagged mit: , , , ,
Veröffentlicht unter Belletristik, Frankreich
Folgen Sie Ruth liest