Pierre Jarawan: Ein Lied für die Vermissten

Bereits der Debütroman von Pierre Jaravan „Am Ende bleiben die Zedern“ begeisterte mich. Um so gespannter war ich auf den neuen Roman „Ein Lied für die Vermissten“ des deutsch-libanesischen Schriftstellers.

Der Roman startet im Jahr 1994. Amin kehrt im Alter von 14 Jahren nach einem zwölfjährigen Aufenthalt in Deutschland mit seiner Großmutter zurück in sein Geburtsland Libanon. Dort freundet er sich mit dem gleichaltrigen Jafar an, mit dem er das stark vom Bürgerkrieg gezeichnete Beirut durchstreift. Sie werden beste Freunde und doch ist ihre Freundschaft von falschen Erzählungen und echtem Schweigen geprägt. Eines Tages verschwindet Jafar aus Amins Leben.

Amin reflektiert seine Freundschaft mit Jafar sowie seine Kindheit und Jugend mit der Großmutter im Jahr 2006, als israelische Luftangriffe bis zu seinem einsamen Haus in den Bergen bei Beirut zu hören sind. Langsam nähert sich Amin dem Geheimnis von Jafar, vor allem aber den Lügen seiner Großmutter. Der Großmutter, bei der er aufwuchs, weil seine Eltern einen tödlichen Autounfall hatten, als er gerade zwei Jahre alt war.

„Ein Lied für die Vermissten“ erzählt eindrucksvoll und einfühlsam von Menschen, die von den verschiedenen im Libanon agierenden militärischen Gruppen entführt und ermordet wurden. Das Buch erzählt aber auch von denen, die das Land aus Angst verlassen haben und daher ebenso vermisst werden.

Pierre Jaravan ist mit dem Roman erneut ein sprachgewaltiger Geschichts- und Familienroman gelungen, dessen Lektüre ich nur jedem ans Herz legen kann.

Berlin Verlag ISBN 9783827013651

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