Radka Denemarková: Ein Beitrag zur Geschichte der Freude

Radka Denemarková zählt zu den hochpolitischen literarischen Stimmen Tschechiens. Hochwertige Romane mit brisantem politischen Inhalt zu schreiben, ist eine besondere Kunst für sich, die die Autorin auch in ihrem jüngsten auf Deutsch erschienenen Roman „Ein Beitrag zur Geschichte der Freude“ meisterhaft beherrscht.

Als Weltbürgerin outet sich die Schriftstellerin gleich zu Beginn des Romans: Zum Auftakt begegnen wir einem jungen Liebespaar in Indien, das nach einem romantischen Kinoabend in den „falschen“ Bus einsteigt. Eine Massenvergewaltigung folgt. Derweil rätselt ein Ermittler in Prag über den Tod eines nicht mehr ganz jungen Mannes. Auf den ersten Blick scheint es ein Selbstmord gewesen zu sein. Was hat das eine Verbrechen mit dem anderen zu tun?

Und wie hängt das alles mit den drei älteren kultivierten und hochgebildeten Damen zusammen, die im Laufe der Ermittlungen mal in Prag und mal in London auftauchen? Waren Massenvergewaltigungen nicht auch Teil der Kriegsführung während des Zweiten Weltkrieges in KZs oder nach der Eroberung von Dörfern und Städten?

Egal zu welcher Zeit und an welchem Ort – Vergewaltigungen wirken in zweifacher Hinsicht vernichtend: erstens durch die pure Gewalt an Körper und Seele und zweitens, weil sie in den meisten Fällen nicht gesühnt wird.

Was also tun, um vergewaltigten Frauen zumindestens den zweiten Teil der seelischen Vernichtung zu ersparen?

Ein unbedingt lesenswertes Buch, dessen Autorin am 19. Februar im Literaturhaus Leipzig und zur Leipziger Buchmesse (21. bis 24. März) persönlich zu erleben ist.

Hoffmann und Campe ISBN 9783455005110

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

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