Radka Denemarková: Ein herrlicher Flecken Erde

Im kommenden Jahr wird die Tschechische Republik Gastland der Leipziger Buchmesse sein. Ein wunderbarer Anlass, sich mit zeitgenössischer tschechischer Literatur zu beschäftigen. Da Radka Denemarková morgen gemeinsam mit 19 weiteren Autoren den ersten Europäischen Autoren-Gipfel in Berlin bestreiten wird, habe ich mit ihrem bereits 2009 auf Deutsch erschienenen Roman "Ein herrlicher Flecken Erde" begonnen. Was für ein Glückstreffer!

Im Mittelpunkt des Romans steht Gita Lauschmannová. Sie kommt im Jahr 1945 das erste Mal in ihren Heimatort zurück. Als Überlebende des KZ Auschwitz will sie nach Hause, in das Haus ihrer Eltern und Geschwister, hofft zumindest ihren Bruder dort wieder zu finden. Doch die jetzigen Bewohner fürchten sich vor ihr und wollen sie von Haus und Hof verjagen. Schließlich haben sie ihren Vater in der noch jungen Nachkriegsordnung als Deutschen diffamiert, sodass er von den neuen Machthabern posthum enteignet wurde. Und wer profitiert? Natürlich die alten Nachbarn, die jetzt die neuen Herren von Haus und Hof der Familie Lauschmann sind.

Erst im Jahr 2005 kann Gita die Rehabilitation ihres Vaters erwirken. Die Enteignung von 1945 ist zu Unrecht erfolgt und sie hat Anspruch auf Rückerstattung des Familienbesitzes. Im Jahr 2005 will keiner der Bewohner etwas von Schuld oder Mitschuld hören. Im Gegenteil: Die Jüdin oder die Deutsche - je nach Zuschreibung - ist Schuld. Dieser Zynismus ist kaum zu überbieten.

Brilliant seziert die Autorin die Gier und den Antisemitismus der ehemaligen Nachbarn und Angestellten sowie ihrer Nachfahren.

Deutsche Verlags-Anstalt 2009 ISBN 9783641037035

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Veröffentlicht unter Belletristik, Tschechien
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