Rafael Chirbes: Am Ufer

Der spanische Schriftsteller Rafael Chirbes gehört zu meinen Lieblingsautoren. Ein Status, den er mit seinem jüngsten Roman "Am Ufer" verteidigt. 

Im Mittelpunkt des gut 400 Seiten starken Roman steht die Wirtschaftskrise in Spanien. Rafael Chirbes schildert die letzen Tage im Leben von Esteban. Der Tischler ist eigentlich schon im Rentenalter als er mithilfe seines Barkumpels Pedro das ganz große Geld machen will. Er nimmt auf Haus, Hof und Tischlerei Kredite auf und investiert in das jüngste Bauprojekt des Millionärs Pedro. Doch die Häuser werden nie fertiggestellt. Der angeblich millionenschwere Bauunternehmer ist pleite und verschwunden. Esteban muss die Insolvenz anmelden und sieht nur einen Ausweg für sich und seinen pflegebedürftigen Vater.

Aus dieser hinlänglich bekannten Geschichte malt Rafael Chirbes das Porträt der westlichen Gesellschaft am Rande des Euro-Abgrundes. Glück wird mit dem Erwerb von Geld verwechselt. Das eigene Scheitern in menschlichen Beziehungen wird versucht, mit wirtschaftlichen Erfolgen zu kompensieren.

Nach dem Platzen der Wirtschaftsblase irren alle Bewohner des spanischen Küstenortes praktisch Ziel- und Planlos umher. Ohne Arbeit und ohne Erwerb scheint alles sinnlos zu sein. Das gilt für die Pflegerin aus Südamerika ebenso wie für den aus Marokko stammenden Arbeiter oder den spanischen Tischler. Nur einen betrifft es nicht: Der ehemalige Bauunternehmer hat rechtzeitig Teile seines Vermögens seiner Frau geschenkt und genießt seinen Lebensabend mit Mitte 40. Und ich genieße ein wunderbaren zeitgemäßen Roman.

Verlag Antje Kunstmann, ISBN 9783888978678

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Veröffentlicht unter Belletristik, Spanien

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