Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt

So könnte sie gewesen sein, die letzte Reise des Malers Chaim Soutine durch das besetzte Frankreich im Sommer 1943. Kenntnisreich, spannend und sprachlich fulminant ist das Romandebüt des Schweizer Autoren Ralph Dutli "Soutines letzte Reise".

Als Sohn einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde in Weißrussland geboren, wuchs Chaim Soutine in Armut und vor allem mit einem Bilderverbot auf. Er floh vor beidem nach Paris und gehörte schnell zu den Malerlegenden des Montparnasse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Freund Amedeo Modigliani wurde berühmter ebenso sein Nachbar Marc Chagall. Dennoch zählte Soutine zu den Großen seiner Zeit. Bereits zu Lebzeiten stand er auf den Listen bedeutender amerikanischer Sammler und gelangte ab Mitte der 20er Jahre zu Ruhm und Geld. Zeit seines Lebens litt er unter einem Magengeschwür, dass ihn auf der Flucht vor den Nazis im besetzten Frankreich schließlich das Leben kostete.

Wie Ralph Dutli mit fiktiven Ergänzungen diese Vita zum Leben erweckt und den Leser fesselt, ist ein kleines Meisterwerk. Der Autor zeichnet nicht nur Chaim Soutines Facetten nach, er gewährt auch Einblicke in das Leben von Amedeo Modigliani, Pablo Picasso oder Max Ernst, indem er auch deren dunkle Seiten beleuchtet.

Soutines letzte Fahrt ist ein Kleinod für Literatur- und Kunstliebhaber.

Wallstein Verlag ISBN 9783835312081

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Veröffentlicht unter Belletristik, Frankreich

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