Rhidian Brook: Niemandsland

Eine leichte Lektüre zu einem schweren Thema liefert der Brite Rhidian Brook mit seinem Roman "Niemandsland".

Rhidians Brooks Großvater war als Offizier der britischen Armee im Hamburg der Nachkriegszeit stationiert. Anders als seine Offizierskollegen teilte er das Haus, in das er einquartiert wurde, mit einer deutschen Familie. Diese ungewöhnliche Entscheidung seines Großvaters, die deutschen Nachbarn trotz aller Verbrechen der Nazizeit als Menschen wahrzunehmen und zu respektieren, bildet die Grundlage des Romans.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der hochrangige Offizier Lewis Morgan, der mit seiner Frau und seinem Sohn in der Villa eines Hamburger Architekten und dessen Tochter wohnt. Das Zusammenleben der beiden Familien gestaltet sich per se als schwierig. Beide Familien haben zudem im gegenseitigen Bombenhagel jeweils ein Familienmitglied verloren.

Sehr überzeugend beleuchtet der Autor die chaotische Nachkriegszeit in Hamburg. Er schildert Hunger, Not, Zukunftsangst, Schmerz und Trauer der obdachlosen Deutschen, aber auch Hochmut, Angst, Wut und Schmerz der britischen Sieger, die in der Heimat und an der Front ebenfalls große Verluste erlitten hatten. Beide Familien haben Schwierigkeiten, sich mit den politischen Phänomenen der Nachkriegszeit zu arrangieren. Zu diesen Phänomen gehören die plünderenden Offiziere der Besatzungsarmee ebenso wie die Jugendlichen, die sich die Nazizeit zurückwünschen.

Trotz des schweren Themas von Schuld und Sühne ist das Buch leicht geschrieben. Wie gemacht für eine heiße schlaflose Sommernacht, in der man auch über pathetische, um nicht zu sagen, kitschige Passagen hinwegsehen kann.

C. Bertelsmann ISBN: 978-3-570-10128-5

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland, Großbritannien

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