Robert Goolrick: Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

Für Robert Goolrick endete die Welt im Alter von vier Jahren, als sein Vater ihn im Rausch vergewaltigte und seine Mutter tatenlos daneben lag. Wie lebt eine amerikanische Familie nach einem solchen Verbrechen in den 50er-Jahren weiter? Schweigend und trinkend.

Goolricks autobiografischer Roman beginnt mit dem Tod des Vaters. Fassungslos räumt der 40-jährige Sohn das Haus des Vaters auf. Ratten bevölkern die Wohnung und die Urne mit der Asche der Mutter steht noch immer im Haus, weil der Vater in seiner Sucht nie dazu kam, die Überreste seiner Frau zu begraben.

Geradezu liebevoll schildert der Sohn das Leben seiner schönen und gebildeten Eltern und ihren Absturz in die Sucht. Dabei zeichnet er das Bild der amerikanischen Traumfamilie in den 50iger Jahren. Die Cocktailparty ab 17.00 Uhr gehört als Inbegriff des Stils zum Leben der mittelständischen Familie dazu. Schnell gleiten die Eltern ab und aus der Cocktailparty wird eine ganze Rauschnacht. Und in einer dieser Nächte begehen seine Eltern das wohl schlimmste Verbrechen, das man seinem Kind antun kann. Das zweitschlimmste Verbrechen ist das anschließende bis zum Tode der Eltern währende Schweigen.

Kein Wunder, dass auch der Sohn zehn Jahre seines Lebens mit Alkohol und Drogen vor allem aber mit dem Ritzen seiner Haut verbringt. Selbst seine Aufenthalte in der Psychatrie bringen die Familie nicht zum Reden. Bis zum Tode der Eltern kämpft der Sohn um ihre Liebe und will ihnen gefallen. Erst nach der Beerdigung kann er allmählich eine neue Welt für sich aufbauen.

Fassungslos folgt der Leser der Familie auf ihrem Weg nach unten. Goolrick ist ein sehr beeindruckendes Buch über die Lasten, die Eltern ihren Kindern mitgeben, gelungen.

btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House 2013 ISBN 9783442753512

 

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Veröffentlicht unter Belletristik, USA
2 Kommentare auf “Robert Goolrick: Das Ende der Welt, wie wir sie kennen
  1. Lieselotte sagt:

    Die von Ihnen beschriebenen „50iger“ werden „Fünfzigiger“ gelesen. Ich gehe aber stark davon aus, dass Sie die Fünfziger, also „50er“ meinen. Das schmerzt doch schon beim Lesen…

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