Robert Seethaler: Das Feld

Würde mich jemand nach meinen zehn Lieblingsautoren fragen, wäre Robert Seethaler auf jeden Fall dabei. Warum? Weil es wenige Schriftsteller gibt, die sich mit so viel Empathie dem Mitmenschen nähern wie Robert Seethaler. Das beweist auch sein gerade erst erschienenes Buch "Das Feld".

Das Feld ist ein Friedhof. Nacheinander kommen 26 Verstorbene zu Wort. Sie erzählen aus ihren Gräbern heraus ihr Leben und Sterben. Nicht selten ist das Leben des einen mit dem Sterben eines der anderen Toten verbunden.

Der korrupte Bürgermeister zum Beispiel verteidigt noch im Grab sein Streben nach Macht und Geld. Natürlich bedauert er die drei Toten, die beim Zusammenbruch des neu erbauten Einkaufszentrums ums Leben kamen. Der Bauer, dem er das Land für das Einkaufszentrum abgekauft hat, hat ihn noch vor dem sandigen und löchrigen Boden gewarnt. Sagt jedenfalls der Bauer, der in unmittelbarer Nähe des Bürgermeisters begraben liegt. Und die Opfer des Unglücks? Zumindest für die Schuhladenbesitzerin scheint der Tod eher eine Erlösung gewesen zu sein, dabei wusste sie gar nicht, wie sehr ihr Mann die Ehe mit ihr bedauerte. Aber der Leser erfährt dieses Geheimnis wie so manches andere auch.

Insgesamt ergeben die Geschichten einen Kleinstadtkosmos, zeigen alltägliche Sorgen, Überlebenskämpfe, Abstürze oder Glücksmomente der Friedhofsbewohner. In einer unaufgeregten Sprache bewegt jede einzelne der Geschichten.

Carl Hanser Verlag ISBN 9783446260382

Getagged mit: ,
Veröffentlicht unter Belletristik, Österreich
Folgen Sie Ruth liest