Roland Schimmelpfennig: An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Der Dramatiker Roland Schimmelpfennig versucht sich als Romanautor. Versuch gescheitert, wie die WELT schreibt? Ganz und gar nicht, meint der SPIEGEL. Auch aus meiner Sicht ist der Debütroman ein Glücksfall, weil er düster und lakonisch vom Unglück der Einsamkeit und Verlorenheit in unserer Zeit schreibt.

Ein einsamer Wolf zieht durch den Winterwald. Der Hunger treibt ihn in die Nähe der Menschen bis in die Metropole Berlin hinein. Bei seiner Suche nach Futter begegnet er zahlreichen Menschen. Andere träumen von einer Begegnung mit ihm.

Der Renter auf dem Hochsitz, das jugendliche Paar Elisabeth und Micha sowie ihre Eltern, der polnische Gelegenheitsarbeiter Tomasz und seine Freundin Agnieszka oder die Kioskbetreiber Jacky und Charly und der desillusionierte Suchtarzt - sie alle sind ebenso einsam wie der Wolf. Hungrig nach Glück sind höchstens noch die jungen Paare. Aber auch sie wirken, als ob es kein Morgen für sie gäbe - keine Hoffnung, keine Perspektive, nur ein wenig Spaß, wenn Alkohol oder Drogen im Spiel sind.

Roland Schimmelpfennig zeichnet ein durch und durch düsteres Bild unserer Gesellschaft. Sein Roman liest sich umso schmerzlicher, weil er beim Erzählen keinerlei Empathie aufblitzen lässt. Das ist vor allem zu Beginn des Buches befremdlich. Die knappen und einfachen Sätze haben es mir zunächst erschwert, mich auf die Geschichte einzulassen. Aber gerade dieser Schreibstil entfaltet im Laufe der Erzählung eine ungeheure Wirkung.

Ob Roland Schimmelpfennig für seinen Debütroman den Preis der Leipziger Buchmesse 2016 in der Kategorie Belletristik erhält, erfahren wir am 17. März.

S. Fischer Verlag ISBN 9783104036359

Getagged mit: , ,
Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Folgen Sie Ruth liest