Ruta Sepetys: Salz für die See

Litauen präsentiert als Schwerpunktland der kommenden Leipziger Buchmesse vom 23. bis 26. März in Leipzig 26 Neuerscheinungen. Dazu zählt auch der Roman "Salz für die See" der US-amerikanischen Schriftstellerin mit litauischen Wurzeln Ruta Sepetys. Eine gute Gelegenheit, mich mit der gänzlich unbekannten literarischen Landschaft Litauens ein wenig vertrauter zu machen.

Im Mittelpunkt des Romans "Salz für die See" stehen Joana, Florian, Emilia - drei junge Menschen, die im Januar 1945 irgendwo in Ostpreußen auf der Flucht sind. Joanna ist eine deutsch-litauische Krankenschwester, die aufgrund ihrer deutschen Mutter Heim ins Reich darf. Der Restaurator Florian ist Preuße, gerade 19, und versucht sich am Nazi-Regime zu rächen. Die 15-jährige Emilia stammt aus Polen und wurde von ihrem Vater bei Freunden in Ostpreußen in Sicherheit gebracht. Doch die befreundete Familie liefert sie an die Sowjetsoldaten aus. Hochschwanger begegnet sie Florian, der sie vor dem nächsten Vergewaltiger rettet und dem sie deshalb nicht von der Seite weichen will. Alle drei schaffen es mit allerlei Tricks gemeinsam mit dem kleinen Streuner, einem sechsjährigen Waisenjungen, und einem alten Schuster auf die Wilhelm Gustloff. 

Sie gehören zu den scheinbar glücklichen zehntausend Flüchtlingen an Bord des Schiffes, das sie nach Kiel bringen soll. Drei Torpedos, abgeschossen von einem sowjetischen U-Boot, führen zum Untergang des Schiffes und damit zum Tod von etwa 9.000 Passagieren. Natürlich verrate ich an dieser Stelle nicht, welche der Protagonisten es schaffen, in Freiheit und Frieden weiter leben zu dürfen. 

Der Roman ist spannend geschrieben, ein echter Pageturner. Aber für meinen Geschmack über weite Strecken mit zu viel Klischees behaftet. Das Ziel der Schriftstellerin, die Erinnerung an die größte Katastrophe der Seeschifffahrt wach zu halten, ist aller Ehren wert und schon dafür lohnt sich dennoch die Lektüre.

Hoffen wir, dass der im Nachwort formulierte Gedanke von Ruta Septetsy auch in der Realität zutrifft: "Bücher lassen uns zu einer globalen Gemeinschaft von Lesern verschmelzen, vor allem aber zu einer globalen Gemeinschaft, die sich bemüht, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen." Im Moment habe ich so meine Zweifel, ob der Satz zutrifft.

Königswinter Verlag in der Carlsen Verlag GmbH ISBN 9783646929225

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Veröffentlicht unter Allgemein, Belletristik, Litauen
4 Kommentare auf “Ruta Sepetys: Salz für die See
  1. Litauen ist für mich auch totales literarisches Neuland! Danke für die Rezi und somit Erinnerung, dass ich mir das mal anschauen sollte.
    Liebe Grüße
    Susanne

    • Ruth Justen sagt:

      Wie gesagt, mir geht das genauso. Deshalb liebe ich ja auch die Gast- und Schwerpunktlandkonzepte der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse. Liebe Grüße Ruth

  2. Birgit sagt:

    Eure Begeisterung für die Entdeckung neuer literarischer Welten, die durch die Messe-Schwerpunkte erschlossen wird, teile ich…Litauische Literatur auch bei mir: Ein weißer Fleck auf der Landkarte.
    Deine Zweifel, die Du am Ende formulierst, teile ich zur Zeit leider auch – aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass Kunst, Literatur, Bildung dazu beitragen können, dass Menschen auch ihre Herzen und ihren Geist bilden.

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