Rutu Modan: Tunnel

Viele Bücher wurden über den Nahostkonflikt geschrieben. Manche waren sogar lesenswert. „Tunnel“ die jüngste auf Deutsch erschienene Graphic Novel der israelische Zeichnerin und Autorin Rutu Modan ist hingegen sehens- und lesenswert.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Nili, eine derzeit arbeitslose alleinerziehende Mutter eines Sohnes. Als Kind durfte sie ihren Vater, einen berühmten Archäologen, auf Ausgrabungstoren begleiten. Auch ohne Studienabschluss ist sie den meisten Expert:innen ihres Landes überlegen, auch ihrem Bruder Broshi, der für die Hebräischen Universität als Archäologe tätig ist.

Archäologie ist in Israel geradezu ein Volkssport. Jedes Fundstück ist ein Beleg für die Berechtigung des jüdischen Volkes, den modernen Staat Israel aufgebaut zu haben. Der große Traum aller Forscher und Hobbygräber ist der Fund der heiligen Bundeslade, die seit der Eroberung Jerusalem durch die Babylonier im 6. Jahrhundert vor Christus als verschollen gilt. Schon Indiana Jones war auf der Suche nach ihr.

Auf der Jagd nach dem „verlorenen Schatz“ begegnet das Team um Nili palästinensischen Tunnelbauern. Mit viel Witz erzählt sie die Spannungen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen, die sich um dasselbe Land streiten, auch unter der Erde. Aber unter der Erde ist der Kampf gefährlicher, also setzen alle auf ein friedliches Miteinander. Aber auch der Frieden funktioniert nur bruchstückhaft. Schließlich gibt es im Hintergrund dunkle Mächte wie den IS, der ebenfalls mitspielt.

Ob die Protagonisten Licht am Ende des Tunnels entdecken, darf ich hier natürlich nicht verraten.

Auf jeden Fall ist Rutu Modan mit der Mischung aus Abenteuergeschichte und Satire auf die politischen Verhältnisse des Nahen Ostens eine wunderbare Graphic Novel gelungen.

Carlsen Verlag ISBN 9783551785923

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